Crematory – Monument

Crematory

25 Jahre in stetigem Wandel – so könnte man die Geschichte der rheinland-pfälzischen Gothic-Metal-Band Crematory in einem Satz beschreiben. War das Debütalbum noch im Death Metal verwurzelt, fand das Quintett auf ihrem zweiten Album „Just Dreaming“ endgültig zu ihrem stark von Keyboards bestimmten Gothic-Metal-Sound. Eine Kurskorrektur hin zu professionelleren, aber mit den Jahren auch immer kommerzielleren Klängen stellte 1999 der Einstieg von Gitarrist Matthias Hechler dar. Da er sich auch als Songschreiber betätigte, verlor die Band 2015 mit seinem Ausstieg eines ihrer wichtigsten Mitglieder. Doch das Ende eines Weges bietet immer auch neue Chancen und so wagen Crematory auf ihrem vorliegendem Album „Monument“ – verstärkt durch gleich zwei neue Gitarristen – endlich die von vielen Fans lang ersehnte Rückkehr zu metallischeren Klängen.

Beim ersten Durchhören wird bereits klar, dass diese Kursrichtung eine gute Entscheidung war. Driftete das Vorgängerwerk „Antiserum“ leider allzu oft in seichte, fast schon poppige Gewässer ab, so geht es auf „Momument“ fast durchgängig deutlich härter zu – Erinnerungen an die Spät-90er-Phase und tolle Alben wie „Awake“ und „Act Seven“ werden wach. Der metallisch-bombastische Opener „Misunderstood“, der vorab auch als Single veröffentlicht wurde, gibt den Kurs vor, das deutschsprachige, zwischen knüppelharten und zurückhaltenden Parts hin- und herpendelnde, „Haus mit Garten“ setzt noch einen drauf. Bei „Die So Soon“ geht es etwas ruhiger zu – eingesungen wird die Midtempo-Nummer von Tosse Basler, einem der beiden neuen Gitarristen, der aber auch ein überzeugend klares Gesangsorgan besitzt, das einen guten Kontrapunkt zu Gerhard Stass‘ Grunts setzt.

Bis auf wenige Ausnahmen setzt sich das Album auf diesem hohen Qualitätsniveau fort – das wuchtige „Eiskalt“, die atmosphärische Midtempo-Hymne „Nothing“, das teils knüppelharte, teils wunderbar romantische „My Love Within“, die Gothic-Metal-Hymne „Die letzte Schlacht“ und die beinahe zerbrechlich aus den Boxen schallende Ballade „Save Me“ sind hier als weitere Höhepunkte unbedingt zu erwähnen. Lediglich zwei Nummern auf „Monument“ – das etwas zu drucklose „Ravens Calling“ und das uninspirierte „Everything“ – sind unterdurchschnittlich.

Somit haben sich Crematory im Vergleich zum Vorgänger nicht nur in Sachen Härte, sondern auch in punkto Qualität deutlich steigern können. Das Album wirkt wie aus einem Guss und kombiniert die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln wunderbar mit neuen Einflüssen, an denen neben Tosse Basler sicher auch Rolf Munkes, der zweite neue Gitarrist im Bandgefüge, seinen Anteil hat. Hundertprozentig das Level der Klassikeralben aus den 90ern erreicht das neue Werk zwar noch nicht, aber wenn Crematory den nun eingeschlagenen Pfad fortsetzen und weiter verfeinern, steht einem zweiten Frühling nichts im Wege. Auf die kommenden Live-Auftritte – etwa beim „Bang Your Head“ in Balingen und beim WGT in Leipzig – dürfen sich Fans der Band angesichts der auf „Monument“ dargebotenen Qualität jedenfalls jetzt schon freuen.

Crematory - Monument

Monument
VÖ: 15.04.2016
Steamhammer (SPV)

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