Would – Need A New Old Friend

Would
(c) snappyteeth

Die Entwicklung von Would ist beeindruckend. Vor Jahren rief Matthias Schwettmann das Projekt für jene Songs ins Leben, die nicht zu seiner Band Palila passten. Seither fanden diverse musikalische Metamorphosen statt, im Vorjahr mit dem unerwartet wütenden „Thrash“ sogar von erstaunlicher Härte und Rifflastigkeit geprägt. Nun gibt es eine komplette Live-Band und noch mehr frische Ideen. Das mittlerweile fünfte Studioalbum „Need A New Old Friend“ bildete sich während einer schwierigen Phase, widmet sich vor allem den Zwischentönen und legt den Fokus auf die Texte. Musikalisch hat sich ebenfalls etwas getan.

Die gitarrenlastige Heavyness des Vorgängers wird zwar nicht weiterverfolgt, doch wirken die zehn neuen Songs insgesamt größer, melancholischer und weitläufiger. „Never“ ist das beste Beispiel für diesen Ansatz. Der sechsminütige Opener gibt sich schwermütig und scheint auf einer Straße ins Nirgendwo zu wandeln – gemächlich und doch bestimmt. Passend dazu erhebt sich Schwettmanns Stimme nur bedingt aus dem Arrangement, wirkt tief in dieses eingebettet und lässt stattdessen die bewusst minimal gehaltenen Variationen für sich sprechen. Das geht schon mal in eine leichte Alternative- bis Americana- und Heartland-Rock-Richtung, wunderbar verspieltes Solo inklusive.

Schwettmann lässt die Songs kommen und findet sich wieder und wieder in Flow-artigen Zuständen. Die leichtfüßige und doch eindringliche Präsentation von „Disbelief 13“ wirkt angenehm vertraut, während „Signed AI“ mit singender Gitarre einmal mehr mutig neue Wege beschreitet. Irgendwo zwischen legerer Eingängigkeit und zittriger Nervosität entsteht sympathische Beklemmung mit Ohrwurm-Charakter. Wie „Transition“ hingegen mehr und mehr ins Uferlose rockt und gefühlt mit jedem Durchlauf größer wird, hat ebenso Klasse, bevor das abschließende „Around The World“ mit semi-akustischer Präsentation vermehrt zum ursprünglichen Would-Gedanken zurückkehrt.

„Need A New Old Friend“ ist eine jener Platten, die man erst einmal kommen und auf sich wirken lassen muss. Die zehn Songs klingen absolut nach Would, aber irgendwie auch nicht, was eigentlich keinen Sinn macht. Durch den Fokus auf Texturen, auf Layering, auf Atmosphäre und auf Lyrics ist ausnahmsweise mehr Geduld gefragt. Wenn sich aber schließlich alles zusammenfügt, dann regiert Hochstimmung in Reinkultur. Und das bei aller offenkundiger Schwere – ein Kunststück für sich. Es mag mittlerweile ein überstrapaziertes Unwort geworden sein, doch trägt „Need A New Old Friend“ tatsächlich Authentizität in rauen, sympathischen Mengen in sich, zeigt sich angenehm offen und kommt direkt von Herzen. Auch diese Would-Variante macht Laune.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 01.05.2026
Erhältlich über: DevilDuck Records

Website: palilawould.com
Facebook: www.facebook.com/would.hq