Koyo – Barely Here

Ein starkes erstes Album, schneller Aufstieg vom lokalen Szene-Act zu dauertourenden Hopefuls, erste Zweifel über das neue Leben on the road und schließlich die Platte danach – so oder so ähnlich lässt sich der Weg von Koyo seit der Veröffentlichung von „Would You Miss It?“ im September 2023 zusammenfassen. Während das Long-Island-Quintett mehr und mehr zur perfekt abgestimmten Einheit reifte, hielten Isolation und erste (fehlplatzierte) Schamgefühle über diesen neuen Alltag Einzug. Das und mehr begleitet „Barely Here“, ein lebendiges, nicht immer ganz einfaches und doch stets mitreißendes zweites Album.
Anstatt – wie es so viele andere Künstler machen – mit dem Zweitling neue Wege zu gehen, wollten Koyo einfach ’nur‘ auf ihre Stärken setzen und diese weiter verbessern. Exakt das zeigt sich ab der ersten Sekunde, wenn der Titelsong „Barely Here“ mit melodischer Vehemenz und feistem Punk-Druck loslegt. Joseph Chiaramonte packt tatsächlich noch mehr Präsenz in seine Stimmbänder, die Rhythmusabteilung agiert als nimmermüder Motor und die beiden Gitarren fahren rein. Kurz, knackig und bei aller Eingängigkeit schön heavy – mehr braucht es nicht. „Jet Stream Wish“ setzt sogar noch einen drauf, gibt sich gleichzeitig derb und emotional, bevor die nächste Hook zupackt.
Zu den persönlichsten Songs der neuen Platte zählt das gemeinsam mit Marissa Shirar (Fleshwater) intonierte „Oxidize“, das die Herausforderungen zuhause, während man auf Tour ist, veranschaulicht. Chiaramonte möchte mehr Zeit mit seiner an Demenz leidenden Großmutter verbringen. Die beißende und doch hymnische Intensität unterstreicht das geschickt. In „What I’m Worth“ steuern Koyo Post-Hardcore-Sphären an und versuchen sich von allen düsteren Gedanken loszusagen. „Saying Vs. Meaning“ mit Sammy Ciaramitaro von Drain ist dessen melodischer kleiner Bruder, feinsinnig und dank Gast-Shouts dennoch herrlich kantig. Wer hingegen eingängige, beflügelnde Klänge bevorzugt, wird im mächtigen „Pace And Loiter“ fündig.
Tatsächlich investieren Koyo konzentriert und geschickt in Vertrautes, treten dabei keinesfalls auf der Stelle und entwickeln sich als Songwriter weiter. „Barely Here“ holt sich sämtliche Trademarks an Bord, mit Punk als Nabel der unruhigen Welt, schreibt noch bessere Hooks und geht zugleich gekonnt mit den Schattenseiten des neuen Lebens um. Zehn Songs in knapp 28 Minuten rattern kurzweilig durch, ohne ein Gramm Fett zu viel, dafür mit ordentlich Herz und Spielwitz. Dass das US-Quintett in den letzten Jahren auf Tour mehr denn je zur eingeschworenen Einheit geworden ist, lässt sich kaum überhören – ein von vorne bis hinten bärenstarker Zweitling ist das unterhaltsame Ergebnis.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 08.05.2026
Erhältlich über: Pure Noise Records (SPV)
Website: koyolihc.com
Facebook: www.facebook.com/koyolihc
