We Are Scientists – Qualifying Miles

We Are Scientists
(c) Sari Murray

Heuer steht für We Are Scientists ein großes Jubiläum ins Haus: Ihr erstes Album „With Love And Squalor“ erschien vor 20 Jahren, damals die perfekte Platte zur perfekten Zeit. Mitten im ersten Post-Punk-Revival entwickelten sich Tracks wie „Nobody Move, Nobody Get Hurt“ und „It’s A Hit“ zu modernen Klassikern. Das Kernduo Keith Murray und Chris Cain ist immer noch aktiv und fleißig, wagt musikalisch gerne mal etwas und ist mitterweile in einem beschwingten wie emotional aufgeladenen Spannungsfeld zwischen Indie und Alternative angekommen. Auf ihrem neunten Studioalbum setzt sich das fort: „Qualifying Miles“ entwickelte sich während den Aufnahmen zu einer Abhandlung über Nostalgie, Wehmut und Melancholie, verliert aber keineswegs sein Lächeln.

Riesensongs gibt es weiterhin, wenngleich mit deutlich mehr Understatement behaftet. Die Single „Please Don’t Say It“ mit erstaunlich prägnantem Bass und diesem urplötzlich ansteigenden Chorus bleibt sofort hängen, unternimmt eigentlich keine großen Sprünge und ist wohl gerade deswegen so stark – ein zögerliches und doch bestimmtes Stück Musik, das sich in aller Widersprüchlichkeit so richtig austobt. „Starry-Eyed“ ist ebenfalls richtig gut, lehnt sich erst zurück und setzt schließlich den kathartischen Refrain frei, der sich sukzessive in höhere Register bewegt, während die Uptempo-Drums zum Motor für Großes werden – so einfach wie genial.

Genialität schimmert auf dieser Platte immer wieder durch, wenngleich in gerne getragenen Tönen. „I Could Do Much Worse“ lässt die omnipräsente Melancholie an vorderste Front treten, lebt von einer gewissen Schwere und spielt sogar mit Celloklängen. Ab und an unterläuft „The Same Mistake“, hier in ein jenseitiges Funkeln getaucht. We Are Scientists brechen klassische Arrangierung auf und spielen mit 80s-Synthetik, deren bizarres Funkeln für willkommene Weirdness sorgt. Die gibt es in „Promise Me“ nicht – der Rausschmeißer gibt sich energisch, geht schön nach vorne und mobilisiert, ähnlich wie das ordentlich verzerrte „I Already Hate This“, letzte Energiereserven.

Souverän, entspannt und konzentriert pendeln sich We Are Scientists auf gewohnt hohem Niveau ein. Es gibt keine großen Aufreger, dafür aber viel Gefühl und Abwechslung. Kleinere Hits und große Emotionen geben sich auf „Qualifying Miles“ die sprichwörtliche Klinke in die Hand und legen den Grundstein für eine sehr bekömmliche Songsammlung, die stellenweise weit weg von den gewaltigen Jubiläumshits sein mag, jedoch nichts an deren Strahkraft eingebüßt hat. Sie mögen ein wenig älter geworden sein, etwas nachdenklicher und nostalgischer, doch bleiben Murray und Cain exzellente Songwriter, die Neues ausprobieren, bewährte Qualitäten ausspielen und sich leger im Ohr einnisten. Auf weitere zwanzig Jahre!

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 18.07.2025
Erhältlich über: Grönland Records (GoodToGo)

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