Ende – Utopia

Ende
(c) Felix Kafka

Zu zweit als Kreativzelle, live als Quartett, zudem stets irgendwo zwischen Wien und Linz unterwegs: Ende stehen erst am Anfang, um dieses schwache wie offensichtliche Wortspiel zu bemühen. Seit Frühjahr 2023 veröffentlichen die Österreicher ihre Singles, die irgendwo zwischen Post Punk, dem aktuell grassierenden NDW-Mini-Revival, Indie und Pop angesiedelt sind. Nun wird erstmals ein klein wenig gebündelt: Mit „Utopia“ legt das Duo eine EP vor, die sich unter anderem mit kaputten Beziehungen, unerfüllten Sehnsüchten sowie dem oft fließenden Übergang zwischen Hoffnung und Untergang befasst.

Was sich wie schwere Kost liest, wird angenehm leichtfüßig umgesetzt, in fünf kurzen, schillernden Kapiteln. Der anfängliche Doppelschlag macht gleich mal verdammt viel richtig. Da wäre erst einmal der beklemmende und zugleich energische Bounce von „kopfverdrehn“ mit typischen Klängen aus dem Post-Punk-Mikrokosmos und dem immer wieder zweistimmig operierenden Gesang, laut und geradezu übermütig, dafür perfekt für die mächtige Hook geeignet, die im Refrain folgt. „radar“ schraubt danach das Tempo in die Höhe, gibt sich um Welten aggressiver und elektronischer, dafür werden die Vocals so locker und beiläufig wie möglich eingestreut – ein ungewöhnlicher Spagat, der vollends aufgeht.

Die konstante Bewegung wird zur Flucht, so scheint es „laufen“ auszulegen. Mit wuchtigem Basslauf und pointierter Synthetik entsteht ein Hauch von Nachdenklichkeit, der zu den Szenen der Nacht prima passt und doch nie an der willkommenen Eingängigkeit rüttelt. Die besitzt auch „sterne“, wenngleich erst einmal so laut, kantig und selbstbewusst wie möglich präsentiert. Anfängliche Synthetik gibt sich erstaunlich schroff und dissonant, dahinter baut sich ein gleichermaßen frontaler wie understateter Ohrwurm auf. So viel Widerspruch in bloß zwei Minuten – sollte nicht klappen, kann jedoch prima unterhalten. Wie auch das abschließende „überfall“, vergleichsweise konventionell und gitarrenlastig, ein wunderbar getriebenes Stück Musik mit nüchternen Zäsuren.

Fünf sympathische, vielschichtige Tracks, wechselhaft und doch wie aus einem Guss, in 13 Minuten komplett abgefrühstückt. Mit Charme und Elan legen Ende die Würze in die Kürze und bestätigen ihre Frühform auf eindrucksvolle Weise. Natürlich gibt es aktuell mehrere deutschsprachige Bands, die sich in ähnlichen Gefilden bewegen, doch schreiben nur wenige so gute Songs wie die Österreicher. „Utopia“ tanzt durch die Nacht und sucht nach lichten Momenten zwischen grellen Lichtern und greifbarer bis gefühlter Finsternis, tut exakt das mit einer Armada an Ohrwürmern. Ende machen sich auf ihrer ersten EP richtig gut und wecken schon jetzt Vorfreude auf Nachschub.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 03.10.2025
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Instagram: www.instagram.com/ende.mp3