From Fall To Spring – Entry Wounds

From Fall To Spring
(c) Marcus Ulbrich

Jede Musikrichtung hat ihre Zeit – und ihr Revival. So lässt sich die Hochphase des Nu Metal zeitlich in den späten 90er Jahren verorten, während zu Beginn dieses Jahrtausends sämtliche Core-Richtungen angesagt waren – von Metalcore über Post-Hardcore bis hin zu Trancecore. Während Metalcore eigentlich nie so ganz weg war, gewann der zwischenzeitlich ziemlich tote NumMetal-Sound in den letzten Jahren wieder an Beliebtheit. Was das alles mit From Fall To Spring zu tun hat? Nun, die Saarländer vermengen die beiden Musikrichtungen zu ihrem ureigenen Sound und das seit 2017 zunehmend erfolgreicher – der diesjährige ESC-Vorentscheid, bei dem es das Sextett ins Halbfinale schaffte, dürfte da auch noch seinen Teil zu beigetragen haben. Ihr neues Album „Entry Wounds“ sollte somit eine nicht gerade kleine Hörerschaft erreichen können.

Qualitativ gesehen ist der steile Aufstieg der Band auf jeden Fall absolut gerechtfertigt, das zeigte ja auch schon der 2023 erschienene Vorgänger „Rise“. Im direkten Vergleich ist die neue Scheibe der Truppe um die beiden Sänger, Gitarristen und Zwillingsbrüder Philip und Lukas Wilhelm aber noch eine deutliche Steigerung. Nach einem 30-sekündigen unspektakulärem Intro steigen From Fall To Spring gleich mit einem echten Highlight ein – „Chasing The High“ ist ein genialer Midtempo-Song mit Ohrwurmcharakter, der zu gleichen Teilen Nu Metal- wie auch Post-Hardcore-DNA in sich trägt – hier treffen quasi Linkin Park auf Bring Me The Horizon und Architects.

Ähnlich stark setzt sich das Album fort, und egal ob nun Post-Hardcore und Metalcore im Vordergrund steht, wie bei „Cast Away“ und „Blood“, oder die Band komplett die Nu-Metal-Schiene fährt, wie bei „Control“ – jedes Mal kommt ein megastarker Song dabei heraus. So schaffen es das Sextett dann auch, dass sich sämtliche der neun Songs des Albums als echte Kleinode ihrer Musikrichtung(en) entpuppen – für Mittelmaß oder gar Totalausfälle ist auf „Entry Wounds“ schlicht und einfach kein Platz. Dennoch sollten an dieser Stelle die wuchtig aus den Boxen dröhnende Core-Hymne „Come Alive“, das vom ESC-Vorentscheid bekannte „Take The Pain Away“ und das melancholische „I Won’t Back Down“ als wahre Genrehighlights unbedingt noch gesondert ihre Erwähnung finden.

Doch so stark die Songs des Albums auch sind – einen großen Schwachpunkt hat „Entry Wounds“ dann doch – mit nicht einmal 30 Minuten ist das Album verdammt kurz ausgefallen, selbst manche EP hat mitunter mehr Spielzeit zu bieten. Gerade weil es From Fall To Spring wirklich drauf haben, stößt die knappe Wiedergabezeit übel auf, andererseits ist ein kurzes, aber sehr gutes Album allemal besser als ein 60-Minüter mit mehreren Füllnummern. In jedem Fall kann „Entry Wounds“ aber sowohl Nu-Metal- als auch Metalcore- / Post-Hardcore-Fans ans Herz gelegt werden. Jeder der neuen Songs dürfte auf der kommenden Tour, die am 22.10.2025 in Bochum beginnt, ziemlich abgefeiert werden. Diese Band dürfte noch Großes vor sich haben und „Entry Wounds“ ist dabei ein ordentlicher Schritt nach oben auf der Karriereleiter.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 26.09.2025
Erhältlich über: Arising Empire (Edel)

Website: fromfalltospring.de
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