Sydney Minsky Sargeant – Lunga

Als Teil von Working Men’s Club tankt er sich seit Jahren durch synthetisch-tanzbare Popmusik mit klarem 80s-Einschlag, doch schlägt das musikalische Herz von Sydney Minsky Sargeant auch für ganz andere Klänge. Seit seiner Jugend schreibt der Mittzwanziger aus dem Nordwesten Englands sehr persönliche, gerne mal romantische Songs, die mit Folk und Singer/Songwriter anbandeln und eine insgesamt ruhigere Seite zeigen. Sich nun als Solokünstler dieser Seite zu widmen, geschieht ganz bewusst, denn Minsky Sargeant befürchtete, nach und nach die Kontrolle über sein Leben zu verlieren. „Lunga“ ist Neuanfang, Aufbruch und elementarer Blick nach innen in einem.
Das spannende, forsche „I Don’t Wanna“ signalisiert zudem, dass Sargeant sein ‚altes‘ Leben keinesfalls loslassen will. Elektronische Spielereien umgarnen das Arrangement, entfremden es sogar etwas, doch liegt der Fokus letztlich auf der angenehmen Gitarre und nicht minder einnehmenden Stimme, im besten Sinne an José González erinnernd. Vielleicht ist „How It Once Was“ tatsächlich so etwas wie ein Zugeständnis an Working Men’s Club, lässt Synthesizer aufbranden und ein legeres Beat-Konzept den Track mehr und mehr entführen, ohne jedoch das eigentlich reduzierte Fundament zu verleugnen.
Im Quasi-Titelsong wird sogar die eigene Band gesampelt. „Lunga (Interlude)“ nimmt Streicher aus „The Last One“ mit und bettet sie in ein Instrumentalstück von stattlichen siebeneinhalb Minuten ein. Das hätte es, gerade in diesen Dimensionen, nicht unbedingt gebraucht, fällt etwas aus dem Rahmen. Dabei kommt Sargeant eigentlich prima mit der Überlänge klar, siehe und höre das intensive „Long Roads“, ein lebensbejahender und selbstfindender Song. Es ist okay, zu lieben, konstatiert der Singer/Songwriter, und lässt das Arrangement immer weiter anschwellen. Stimmliches Gewirr, zusätzliche Instrumentierung, der Mini-Kollaps am Höhepunkt – ganz großes Kino.
Bis auf den unnötig überlangen instrumentalen Ausritt ist das hier verdammt stark. Sydney Minsky Sargeant will mit diesen Songs, die ihn teils seit vielen Jahren begleiten, zwar einen eigenen Sound auf die Beine stellen, lässt aber dennoch immer wieder Querverweise auf seine Synth-Freunde zu, und das harmoniert eingentlich prima. „Lunga“ strahlt Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit aus, oft parallel und doch nie im Widerspruch zueinander. Die Idee, Folk und Singer/Songwriter mit Electro und Synth-Pop zu vermengen, mag vielleicht nicht ganz neu sein, gelingt Minsky Sargeant jedoch gar vorzüglich. Der Einstand auf Solopfaden gelingt richtig gut.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Domino Records
Bandcamp: sydneyminskysargeant.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/sydminskysargeant
