Of Mice & Men – Another Miracle

Im Post-Hardcore- und Metalcore-Bereich sind in den letzten Jahren derart viele Alben veröffentlicht worden, dass es mitunter schwer fällt, noch den Überblick zu behalten. Unzählige neue Bands schießen wie Pilze aus dem Boden, die musikalischen Grenzen zu Nu Metal und Alternative Metal wurden eingerissen und verdammt viele neue Bands klingen wie die x-te Kopie etablierter Truppen. Schön aber, wenn sich in all dem Wust auch alte Hasen wie Of Mice & Men weiterhin behaupten können. Aktiv ist das Quintett schon seit 2009, in den Anfangstagen allerdings noch mit Austin Carlile am Mikro, ehe ab 2017 Bassist Aaron Pauley Screams wie auch Klargesang übernommen hatte. Die Vorgängerscheibe „Tether“ haben die Kalifornier komplett im Alleingang produziert und das gilt auch für das dieser Tage erscheinende neunte Album „Another Miracle“.
Soundmäßig hat sich seit dem Vorgänger wenig geändert bei Of Mice & Men. Die Truppe hat einfach ihren Stil gefunden – irgendwo zwischem wuchtigem Metalcore, zerbrechlichem Post-Hardcore und modernem Alternative Metal. Wobei der Opener „A Waltz“ dann doch schon eine kleine Überraschung ist. Hier geht die Band in Sachen Keyboarduntermalung nämlich All-in, die Nummer hat trotz fieser Screams und heftiger Breakdowns schon fast eine sinfonische Note. Deutlich gewöhnlicher klingt dann schon das vorab veröffentlichte „Troubed Water“. Elektronisches Intro, klassischer Wechsel von Screams in den Strophen und Klargesang im Refrain plus wuchtiger Breakdown nach dem zweiten Chorus – das ist die klassische Metalcore-Schule, die auch Of Mice & Men fest in ihrer musikalischen DNA verankert haben. In jedem Fall geht die Albeneröffnung mit diesen beiden Krachern aber mehr als in Ordnung!
Eine ganze Ecke ruhiger schallt das Alternative-lastige „Safe And Sound“ anschließend aus den Boxen, ehe mit „Hourglass“ der heftigste Song der Scheibe folgt – für Abwechslung ist also gesorgt. „Wake Up“, ebenfalls vorab veröffentlicht, verlässt die Core-Pfade dann komplett und entpuppt sich als wunderbar melodische Alternative Rock-Nummer mit deutlicher 90er Jahre-Note. Der Song würde sich auch gut auf einem Album von Aaron Pauleys Zweitband Jamie’s Elsewhere machen. Ebenfalls etwas ruhiger, aber wieder eine ganze Ecke moderner fällt schließlich das melancholische „Flowers“ aus. Unter den übrigen sechs Songs stechen besonders „Somewhere In Between“ mit seiner ergreifenden Chorusmelodie und die hymnische Abschlussnummer „Infinite“ heraus. Abseits dieser Highlights fällt die zweite Albenhälfte gegenüber der ersten aber leider ein wenig ab.
Unterm Strich haben Of Mice & Men trotz dieses Mankos auch dieses Mal ein wirklich starkes Album abgeliefert, das zwar nicht zu den absoluten Core-Highlights zu zählen ist, aber auf jeden Fall einen komfortablen Platz im oberen Genredrittel einnimmt. Abgesehen vom lausigen „Cold World“ hat die Band ja noch nie unterdurchschnittliche Ware abgeliefert, seit „Earth & Sky“ ist „Another Miracle“ nun aber schon das vierte richtig gute Album in Folge. Live kann man Of Mice & Men in Deutschland ab dem 27.11.2025 auf ihrer Europatour begutachten – die neuen Songs werden dabei mit den alten Klassikern mit Sicherheit mithalten können!
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 14.11.2025
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)
Website: www.ofmiceandmenofficial.com
Facebook: www.facebook.com/ofmice
