The Devil Wears Prada – Flowers

The Devil Wears Prada
(c) Wyatt Clough

Und wieder ein Bandjubiläum – The Devil Wears Prada existieren nun auch schon satte 20 Jahre. Damit ist die Metalcore-Truppe sogar ein Jahr älter als der gleichnamige Film und nur 2 Jahre jünger als das namensgebende Buch. Innerhalb dieser zwei Jahrzehnte hat sich die Band stark entwickelt, die reine Metalcore-Schule der ersten Alben wurde schon früh durch elektronische Spielereien und eine Zuwendung zum Post-Hardcore erweitert, ehe die Band in den letzten Jahren gar vor Experimenten mit Popmusik-Klängen nicht zurückschreckte. So bunt wie auf dem neuen, bereits neunten Album „Flowers“ hat es der Fünfer aus Dayton, Ohio aber noch nie getrieben: Metalcore, Elektropop, Punk und sogar Synthwave – hier kommt zusammen, was in dieser Form bisher nicht zusammengehörte.

Dabei fängt das Album zunächst ganz besinnlich an. „That Same Place“ ist ein einminütiges Piano- / Violinen-Intro, ehe „Where The Flowers Never Grow“ voll auf die 12 geht – wenn auch anders als gedacht. Über weite Teile haben wir es hier nämlich mit einem Alternative-Song mit deutlicher Pop-Punk-Schlagseite zu tun, erst im letzten Drittel setzt der zu erwartende Breakdown ein und The Devil Wears Prada bedienen auch klassische Metalcore-Muster. „Everybody Knows“ schreckt vor (elektronischer) Popmusik ebenfalls nicht zurück und wandelt abseits davon ebenfalls auf Alternative-Pfaden. Bei „So Low“ erdreistet sich die Band dann gar, 80er-lastigen Synthwave mit Metalcore zu vermengen – und das auf höchste wunderbare Weise, nicht umsonst wurde der Titel vorab veröffentlicht. Experiment gelungen, der Song hätte sich auch gut auf einem Album ihrer Kollegen von Dreamwake gemacht.

„For You“, eine weitere Vorabsingle, driftet dann aber ein wenig zu weit in Pop-Gefilde ab. Beim Refrain nimmt der Song zwar etwas an Fahrt auf und gegen Ende folgt auch der zu erwartende Breakdown, unter dem Strich ist die Nummer aber einfach zu zahm – quasi The Devil Wears Prada goes Butt Rock. Im Anschluss folgt mit „All Out“ glücklicherweise die härteste Nummer des Albums – hier setzt die Band noch einmal voll und ganz auf klassischen Metalcore. Zu den weiteren Highlights zählen noch die wunderschöne Post Hardcore-Ballade „When You’re Gone“, die Synthwave- / Alternative-Metal-Kombi „Cure Me“ und das Post-Hardcore’ige „My Paradise“, das die Scheibe ganz wunderbar abschließt. Dazwischen finden sich leider auch ein paar weniger starke Nummern. Insbesondere „The Silence“ und „Wave“ stechen negativ hervor – ersteres ist eine lupenreine Synthwave-Nummer, die andere Bands einfach besser hinbekommen, zweiteres eine Synthie- / Gitarren-Ballade, die leider nur allzu deutlich an „Chasing Cars“ von Snow Patrol erinnert.

„Flowers“ ist ein mutiges, ein experimentierfreudiges Album – und ein gutes dazu. Im bandeigenen Kosmos hatten The Devil Wears Prada allerdings auch schon stärkere Scheiben veröffentlicht. Gegen die Highlights „Transit Blues“ und das letzte Album „Color Decay“ kann der Neuzugang leider nicht anstinken. Dennoch ist „Flowers“ allen Menschen mit offenen Hörgewohnheiten zu empfehlen, die auf viel Abwechslung stehen und kein Problem damit haben, wenn sich Metalcore, Elektronik, Punk und Popmusik zu einem bunten Stelldichein versammeln. Für solche Musikliebhaber gilt hier ganz klar: zugreifen!

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 14.11.2025
Erhältlich über: Solid State Records (SPV)

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