JeGong – Gomi Kuzu Can

Nach zwei hochspannenden, vielschichtigen Alben feierten JeGong beim Roadburn Festival endlich ihre Live-Premiere. Dabei ergaben sich spannende Erkenntnisse für den eigenen Sound. Zum einen rückte der Bass in den Mittelpunkt, zum anderen entdeckte man Vertrauen in das Bandgefüge, in dem man sich aufeinander verlassen konnte. Und dann ist da noch das Faible für Vintage-Equipment aus den 70ern, das sich wesentlich auf den Sound auswirken sollte. „Gomi Kuzu Can“ bleibt den krautig-experimentellen Wurzeln treu und beschreitet zugleich neue, deutlich lebhaftere und hellere Pfade.
Die Frage „What Ever Happened To Gene“ bleibt offen, die erdrückende Schwere mit singendem Synthesizer und ähnlich legeren Vocals – eine willkommene Ausnahme auf diesem Album – passt prima zum bei aller Luftigkeit erstaunlich massiven Arrangement. Die Suche nach dem erhellenden Moment bleibt vergebens. Aus den endlosen Schleifen von „Contortion“ entsteigen hingegen noisige Gitarren, die ein wenig an die Hauptbands des Duos erinnern. Quengelnde Synthetik und motorisierte bis minimalistische Rhythmik entschärfen und verzerren zugleich, bevor das Ende langsam, aber sicher abebbt.
In „Parallel Tracks“ treten Schlagzeug und Percussion hingegen deutlich dominanter, metallischer auf. Es scheppert und kratzt an allen Ecken und Enden, das Geschehen intensiviert mit laufender Zeit und steuert auf ein lautes, drückendes Plateau zu, das schroffe synthetische Effekte mit statischer Stoik verbindet – sehr befremdlich, sehr gut. Wie übrigens auch „Patterns“, dessen Muster in Richtung Ausbruch steuern, geradezu freundlich wirken, in ihrer Verzerrung und Entstellung doch stets ein wenig schemenhaft bleiben. Der prägnante Basslauf von „Outright Wolf Medicines“ fällt hingegen klar und deutlich aus, geht mit vollem Elan nach vorne, selbst wenn rundherum alles kollabiert.
„Gomi Kuzu Can“ sucht neue Ausdrucksformen und findet musikalische Magie. Letztlich ist alles, was hier entsteht, zu einem gewissen Teil logisch nachvollziehbar, ergibt sich aus den letzten Platten von JeGong und der erwähnten Live-Erfahrung. Und doch ist die zunehmende Entfremdung, die gefühlt aus allen Ecken des musikalischen Mikrokosmos gleichzeitig entspringt, ein Happening für sich. Störsignale drängen mehr denn je auf die elektronische Seite des Krautrock, wenngleich sich hier die vielleicht härtesten musikalischen Momente der bisherigen Duo-Diskographie finden. Willkommene Unvorhersehbarkeit und das konsequente Spiel mit der Extremität des Moments, selbst inmitten annähernd eingängiger Momente, lassen auch das dritte JeGong-Album zur überaus spektakulären, auf wunderschöne Weise befremdlichen musikalischen Erfahrung reifen.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 27.02.2026
Erhältlich über: Pelagic Records
Facebook: www.facebook.com/jegongband
