Lone Assembly – Knots & Chains

In den vergangenen Monaten sah es doch sehr danach aus, dass die große Retrowelle des 80er-Jahre-New Wave- und -Synthpop-Sounds ihren Zenit überschritten hätte. Doch wie so oft bei musikalischen Revivals gilt: Wenn der erste Hype abebbt, trennt sich die Spreu vom Weizen – und genau hier betreten Lone Assembly die Bühne. Das Quartett aus der Schweiz liefert den Beweis, dass man das Rad musikalisch nicht neu erfinden muss, sofern man Gespür für Stil und Atmosphäre besitzt. Ihr Sound ist eine tiefe Verbeugung vor den großen Ikonen der melancholischen Elektronik: Wer bei den ersten Takten an die kühle Eleganz von Camouflage, die dunkle Erhabenheit von Depeche Mode oder die düstere Atmosphäre der Sisters Of Mercy denkt, liegt goldrichtig. Nach einigen Singles erscheint dieser Tage endlich das Debütalbum „Knots & Chains“, welches die zeitlosen Einflüsse der Band zu einem beeindruckenden Gesamtwerk bündelt.
Dass Lone Assembly wissen, was sie tun, zeigt sich schon beim Opener „Call Of The Swift“. Der Song ist sehr düster und mutet mit seinem gebremsten Tempo fast schon dark-wavig an. Da die Schweizer aber ein Gespür für große Melodien haben, versinkt der Track nie komplett in melancholischer Monotonie, sondern bleibt bis zum Ende, wo er noch mal mehr Drive aufnimmt, spannend. „Fantasy“ ist dann schon deutlich mehr im klassischen Synthiepop verankert und klingt musikalisch wie Camouflage 2.0. Typischer und gleichzeitig stilvoller kann man diesen Musikstil dieser Tage kaum bedienen. Auch das folgende „Nocturnal Vision“ ist ein starkes Stück retrolastigen Synthiepops, das einen schnell vergessen lässt, dass Depeche Mode schon länger nicht mehr auf diesem Qualitätslevel agieren. Dabei gelingt Lone Assembly das Kunststück, trotz der deutlichen Vorbilder nie wie eine bloße Kopie zu wirken. Vielmehr verweben sie diese Einflüsse zu einem homogenen Soundteppich, der das gesamte Album trägt.
Glücklicherweise können Lone Assembly dieses hohe Qualitätslevel über weite Strecken des Albums halten. Wenn sich bei Titeln wie „The Pain Keeper“ zum düsteren Sound noch Post Punk-Einflüsse dazugesellen und bei „The City Works Like This“ auch die Balladenschiene perfekt bedient wird, dann ist das einfach die große Kunst der 80er Jahre-Schule. Das vielleicht größte Highlight des Albums ist jedoch „In The Open“ – der Band ist damit ein richtig großer Ohrwurm geglückt, der so manches Retroherz höher schlagen lassen wird. Was neben den starken Songs besonders besticht, ist die kristallklare Produktion, die den analogen Charme der Achtziger mit einer Druckfestigkeit kombiniert, die man auf modernen Tanzflächen braucht. Erst gegen Ende geht Lone Assembly dann doch ein wenig die Puste aus: „You’re Pulling At The Same Strings“ fehlt eine eingängige Hookline und „Paler Streams“ mutet gar ein wenig zu monoton an. Glücklicherweise endet „Knots & Chains“ danach aber noch mal mit einem richtigen Knalleffekt: „A Dark Score“ ist defintiv auf dem Qualitätslevel der ersten zwei Albendrittel.
Mit „Knots & Chains“ ist Lone Assembly ein beeindruckendes Debüt gelungen, das weit mehr ist als eine bloße Nostalgie-Veranstaltung. Die Schweizer schaffen es, den Geist der frühen Depeche-Mode-Ära einzufangen und ihn mit einer modernen, druckvollen Produktion ins Hier und Jetzt zu transportieren. Trotz kleinerer Längen im letzten Drittel überwiegt die Dichte an atmosphärischen Hymnen und packenden Melodien deutlich. Wer Sehnsucht nach handgemachtem Synthiepop mit Tiefgang und dunkler Eleganz hat, kommt an diesem Album derzeit kaum vorbei: ein Pflichtkauf für Genre-Fans und all jene, die den 80ern noch immer ein schwarzes Herz reserviert haben.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 27.02.2026
Erhältlich über: Irascible Records (Cargo Records)
Bandcamp: loneassembly.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/loneassembly
