fluppe – beest

fluppe
(c) Caren Detje

Was bloß tun mit dem Gesang? Das fragen sich fluppe, als sie an ihrem dritten Album arbeiteten, und nachdem ihre bisherige Stimme Josef Endicott ausgestiegen war. Produzent Tobias Siebert (u. a. Klez.e) empfahl als Inspiration die Hamburger Musikerkneipe Mutter. Gefunden wurde mit Oscar Pursch der Barkeeper des Lokals, der auf den zehn neuen Songs eine richtig gute Figur abgibt. „Beest“ hält ansonsten aber herzlich wenig davon, einfach alles umzuwerfen. Das Quartett um Christian Klindworth, Antoine Laval und Lars Brunkhorst bleibt seinem Sound zwischen Post Punk, Wave und Indie Rock treu und sucht wieder und wieder nach dieser feinen Prise Hoffnung, wenn die Krise gerade doppelt heftig zuschlägt.

Zu „Cola & Chantré“ lässt sich prima anstoßen, doch ist der Drink mehr als milchig. Eine gewisse Trostlosigkeit macht sich breit, künstliche Intelligenz pfuscht rein, ein Weg nach vorne wird gesucht. All das bekommt schrammelnde Gitarren und eine brodelnde, drückende Rhythmusabteilung zur Seite gestellt, während sich Pursch in der bekömmlichen, bittersüßen Schwere hörbar zuhause fühlt. Das Spiel mit etwas höheren Registern gelingt ebenso wunderbar, siehe und höre „Shanty“. Der schroffe, grantige Bass brennt sich ebenso ein wie die luftigen Melodieansätze, erinnert stellenweise an die jüngste Karies-Platte und bewegt sich doch mit breitem Grinsen weiter weg.

Großartige Songs hat dieses Albums in Hülle und Fülle zu bieten, und „Houllebecq Girl“ (exzellentes, wohl bananenfreies Wortspiel) gehört definitiv dazu. Bleierne Schwere kollidiert mit prominenter Synthetik, die in Richtung Club zieht. Die Band kämpft dagegen an, man einigt sich auf ein beklemmendes Unentschieden. Der Kampf gegen Erwartungen, den „Sam Rockwell“ anreißt, ist ebenso ganz groß, wenngleich wieder ganz anders. Ein Hauch Smiths trifft auf Fontaines D.C., der Kampf gegen den gruseligen Status Quo bemüht ein gequältes Lächeln und Zuversicht. Im lärmenden „Dodgers“ leuchtet die bessere Zukunft, die man selbst aktiv mitgestalten muss. Tanzbare Drums, treibender Bass und flirrende Gitarren helfen dabei.

Feine Songs, großer Unterhaltungswert und ganz viel Herz in jedem Arrangement und jeder Zeile: fluppe lassen sich zu keiner Zeit aus dem Rhythmus bringen und kämpfen sich trotz aller personeller Widrigkeiten zurück in die Spur. Oscar Pursch erweist sich als Glücksgriff, seine vielfältige Stimme beflügelt die bunte Platte wieder und wieder. Graustufen finden sich auf „beest“ natürlich in Hülle und Fülle, das ist zu einem gewissen Grad der Zeit geschuldet, und doch geht es immer wieder weiter, wie eine Anleitung für eine bessere Zukunft, ohne die beschissene Gegenwart zu ignorieren. Dieses mehr als lebendige dritte Album lässt Füße wippen, Köpfe nicken und Seelen bluten – eine von vorne bis hinten richtig schön runde Sache.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 20.03.2026
Erhältlich über: Rookie Records (Indigo)

Website: fluppeband.de
Facebook: www.facebook.com/fluppeband