Tamikrest – Assikel

Tamikrest
(c) Arnaud Contreras

Mit Tamikrest melden sich echte musikalische Legenden der Sahara zurück, nach sechs langen Jahren voller Herausforderungen. Widerstand, Gemeinschaft und Sehnsucht hat sich das Quartett einmal mehr auf die imaginäre Fahne geschrieben und entschloss sich, zurück zu den Wurzeln zu kehren. Das zeigte sich vor allem im Aufnahmeprozess, live on tape mit einer fast 60 Jahre alten 16-Spur-Bandmaschine, im Studio von Altin Gün-Tontechniker Jasper Geluk in Haarlem. „Assikel“ (dt. „Reise“ bzw. „Fahrt“) illustriert den langen Weg der Band, ihre Entwicklung als Musiker sowie Erfahrungen von Verlust und Beharrlichkeit.

Binnen kürzester Zeit erreichen Tamikrest eine Art Flow-Zustand und tänzeln durch ureigene Welten. Der famose Opener „Adagh Oyantid“ lebt von endlosen Weiten, von einem kraftvollen Basslauf und einer gesunden Preise Psychedelia, die prima mit den verträumten und zugleich eindringlichen Vocals harmoniert. Auch die Vintage-Qualitäten in Aufnahme und Produktion bekommen dem Track gut, unterstreichen den zeitlosen Charme. Die zweite Single „Imanin“ geht etwas forscher und drückender nach vorne, lässt die Instrumente förmlich erzittern und packt vor allem einiges an Lautstärke drauf. Ordentlich Kraft und Druck machen richtig viel Laune, die feine Klinge rückt in den Hintergrund.

Ganz so energisch geht es freilich nur ab und an zu. Songs wie „Iman Derhan Nasn“ bemühen sich um traditionellere Klänge, beobachten die steigende und fallende Sonne, während die Luft zittert. Speziell die singende Gitarre, die ab Halbzeit mehr und mehr das Kommando übernimmt, ist groß. „Adounia“ konzentriert sich auf Reduktion und geht komplett zurück zu den Wurzeln. Distortion hat hier keinen Platz, weitestgehend akustische Klänge treffen mitten ins Herz. Für „Eillal“ konnte Ibrahim ag Alhabib von Tinariwen gewonnen werden. Weitläufige, herzhafte Klanglandschaften, gesprochener Minimalismus und volle Konzentration auf Atmosphäre verfehlen ihr Ziel nicht.

Welch Freude es bereitet, Tamikrest zurückzuwissen. Voller Elan stürzen sie sich in diese neue Platte und klingen lebendiger denn je. Der Versuch, mit klassischen Techniken die Live-Atmosphäre zu transportieren und damit den bei Jams auf der Bühne sowie im Proberaum erarbeiteten Songs und Ideen Rechnung zu tragen, geht vollends auf. „Assikel“ ist ein vielfältiges, abwechslungsreiches Album geworden, voller kleiner und großer Feinheiten. Die schroffen, direkten und verzerrten Tracks mit Rock-Fokus machen ebenso Laune wie die ruhigen bis akustischen Einschübe. Zudem definiert sich dieses neue Werk vor allem über seine fantastische, komplett für sich einnehmende Atmosphäre. Binnen Sekunden fühlt man sich weit weg von allem, schwebt und träumt. Das ist richtig mächtig, von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 15.05.2026
Erhältlich über: Glitterbeat Records (Indigo)

Website: www.tamikrest.com
Facebook: www.facebook.com/tamikrest