Broken Social Scene – Remember The Humans

Das vielleicht bekannteste Indie-Kollektiv der Welt meldet sich zurück. Stolze neun Jahre hat „Hug Of Thunder“, das bislang letzte Album von Broken Social Scene, inzwischen auf dem Buckel. Die Welt ist seither ohne Frage eine andere, was man dem Nachfolger anhört. Für diesen tat sich Gründer Kevin Drew nach über zwei Jahrzehnten wieder mit Produzent David Newfeld zusammen, der für das Chaos der zweiten und dritten Supergroup-Platte verantwortlich war. Kurz nach dem Wiedersehen starben die Mütter der beiden in kurzer Abfolge. Auch das hinterließ ohne Fragen Spuren auf „Remember The Humans“, das die Suche nach etwas Gemeinsamen aus den Anfangstagen erneut hochleben lässt.
Bloß sieht diese 2026 anders aus als vor einem Vierteljahrhundert. Heute finden erwachsene Menschen im besten Alter wieder zusammen und macht Musik für all jene, die sich im Laufe der Zeit selbst verloren haben. Zwölf Songs in wechselnder Besetzung sind es geworden, unter anderem mit Hannah Georgas, Lisa Lobsinger und Feist. Und mit ganz viel Magie. „The Call“ erinnert durchaus an eine moderne Interpretation der frühen gemeinsamen Alben – etwas überschäumend, ungestüm, voller bunter Ideen und sympathischer Harmonien, aber bei aller angedeuteter Hektik nachdenklich, etwas introvertiert.
Etwas nervös, sehr bunt und voller Herz – das trifft eigentlich auf die gesamte Platte zu. In „Hey Amanda“ äußert sich das zurückgelehnt, mit erst sanften, dann intensiveren Fanfaren. „Not Around Anymore“ schwebt durch luftleeren Raum und tritt Nostalgie mit verschachtelten Drums und sacht kreisender Instrumentierung entgegen – unwirklich und sympathisch. Zwei (Beinahe-)Sechsminüter mittendrin zeigen Broken Social Scene von einer ganz anderen Seite. Erst bäumt sich „And I Think Of You“ langsam, fast unbemerkt auf, bevor ein gewaltiges Plateau lautstark und butterweich eskaliert. Diesen Widerspruch ignoriert „This Briefest Kiss“ und lässt sich einfach treiben. Jazziger Art Rock, ein wenig Psychedelia und feinsinnige Indie-Pop-Weisheiten kollidieren.
Und das ist nur ein kleiner Auszug dessen, was diese schrägen 50 Minuten zu bieten haben. Auf gewisse Weise fangen Broken Social Scene den Geist ihrer frühen Alben ein, könnten aber gleichzeitig kaum weiter davon entfernt sein. Die leicht wirre, spontane Energie, das kaum kontrollierte Chaos und der spontane Wahnsinn, der gefühlt alles möglich macht – zu jeder Zeit greifbar. Und doch geht es insgesamt ein wenig getragener zu, fast erdiger, noch kunstvoller und sogar etwas nachdenklicher. All das ist der Gegenwart und dem Weg dorthin geschuldet, überfordert bei den ersten Durchläufen ein wenig und find doch stark zusammen. „Remember The Humans“ ist ein starkes Statement des permanenten Gemeinsamen in Zeiten der Ungewissheit.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 08.05.2026
Erhältlich über: Arts & Crafts / City Slang
Website: www.brokensocialscene.com
Facebook: www.facebook.com/brokensocialscene
