Conscious Pilot – Human Poultry

Schmissiges Grollen aus Glasgow tritt einmal mehr seinen Siegeszug an: Conscious Pilot entstanden vor ein paar Jahren als eine Art Nachfolgeprojekt von Cheap Teeth und veröffentlichten 2024 zwei EPs mit Fokus auf Post Punk und Indie-Klänge. Ihr erstes Album „Human Poultry“ entpuppt sich als Sammelsurium von Beobachtungen aus dem Alltag der Band. Hier tummeln sich Situationen und Figuren, denen man im Laufe der Zeite begegnete. Zudem stellt sich die Frage, welche Rolle äußere Einflüsse tatsächlich auf das eigene Leben, auf eigene Entscheidungen und das eigene Handeln haben – mal bierernst, dann wieder mit einem gewissen Augenzwinkern serviert.
Wer sich über die Gefühle und (momentanen) Schwächen anderer belustigt, füllt kurzzeitig die eigene Leere: „Internet Support“ findet Unterstützung, die eigentlich keine ist. Sänger und Gitarrist Joe Laycock legt eine wahre Energieleistung hin, der Quasi-Refrain kommt aus dem Nichts und wirkt angesichts der düster angehauchten Strophen angenehm spöttisch. Kontrastprogramm serviert „Gavin & Me“, nicht nur aufgrund der stattlichen Spielzeit von fast sechs Minuten. Das nähert sich ab und an schon mal dem Art-Ansatz von Squid, zermürbt mit endlosen Schleifen, und den in den Tiefen des Arrangements verborgenen Vocals gekonnt.
Die zurückgelehnte Melancholie von „Ode To Ronnie“ hat ebenfalls seine Qualitäten. Laycock gibt den leicht grantigen Chef im Ring, nur um von nüchternen, beklemmenden Momenten auf den Boden der Tatsachen geholt zu werden. Die nervöse Hektik des zweiminütigen Titelsongs „Human Poultry“ ist Punk stellenweise näher als Post und zerlegt sich ebenso wie das hibbelige „Horatio Burns“. Rund um den mächtigen Basslauf regieren Riffs aus der Garage. Das feinsinnige „Built To Please“ ist ebenso richtig schön groß geworden, wenngleich das zarte Understatement schrammelnder Gitarren und einer erst nachdenklichen, dann noisigen zweiten Hälfte ein paar Durchläufe braucht, um zu greifen.
Eigentlich gilt das für den gesamten Einstand. Der verlangt nämlich ordentlich Geduld und braucht trotz kantiger Hooks und kleiner Ohrwürmer eine ganze Weile, um sich zu finden. Das anfangs zerrissene Bild von „Human Poultry“ hat letztlich Stil und Methode, denn hinter der oberflächlich fast abweisenden Haltung verbergen sich mehrere packende, magische, eindringliche Songs, die weit über vermeintliche Post-Punk-Grenzen hinausgehen, mit Art Rock anbandeln, klassische Indie- und Garage-Rock-Riffs herbeizaubern und dabei das noisige Chaos schätzen. All das und noch viel mehr packen Conscious Pilot auf ihr wildes, wagemutiges und doch stets mitreißendes, charmantes erstes Album, das ein großes Versprechen für die Zukunft abgibt.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 08.05.2026
Erhältlich über: DevilDuck Records (Indigo)
