beabadoobee – Pylon

Zu früh gefreut: Bea Laus glaubte endlich zu wissen, was es heißt, eine erwachsene Frau zu sein, und befasste sich auf „This Is How Tomorrow Moves“ mit dem Erwachsenwerden. Letztlich kam es doch anders, die Sicherheit löste sich in Schall und Rauch auf. Nun geht es darum, Unsicherheit und Verwirrung zu akzeptieren. Dafür wählt die als beabadoobee auftretende Songwriterin und Musikerin einen deutlich gitarrenlastigeren Ansatz und widmet sich vor allem Grunge, Midwest Emo und Radio Rock der 90er – etwas mehr Kanten zuletzt, ohne den poppigen Charme zu ignorieren. „Pylon“ stellt sich den Ängsten als Mittzwanzigerin gekonnt in den Weg.
Ist „Nothing To Prove“ jetzt ein Statement oder der Versuch, sich selbst Mut zu machen? Gemeinsam mit Hayley Williams entstehen zweieinhalb nervöse Minuten, die mit ordentlich Ecken und Kanten sowie eindringlichen Lalas aufgelöst werden – einfach, unmittelbar und sehr clever. Gäste gibt es auf dieser Platte in rauen Mengen. Deftones-Frontmann Chino Moreno trug Backing Vocals bei, Shane Moran schrieb an manchen Songs mit und steuerte Gitarrenparts bei und Matty Healy und George Daniel (The 1975), gute Freunde von Laus, produzierten das erst verwaschene, dann angenehm treibende „Write Me A Letter“. Zudem tritt Brendan Yates von Turnstile in „Powerlines“ auf und drückt dem nachdenklichen, experimentellen Track seinen Stempel auf.
Die Gästeliste ist lang, doch beabadoobee weiß auch so stets, was Sache ist. „Sun Has Set“ ist eine ruppige Energieleistung, die Backings überschlagen sich fast, dazu setzt es ein paar Punk-Ecken und -Kanten. In „Switchblade“ geht es tatsächlich durch Emo-artige Untiefen, so zurückgelehnt und doch verkopft wie menschenmöglich. Mindestens so unterhaltsam ist das abschließende „Satellite“, das sich mühsam erhebt und aus einem Meer an Distortion wie ein Leuchtturm der Selbsterkenntnis herausragt. An anderer Stelle knüpft „Memories“ angenehm an die bisherigen Platten an, gespickt mit etwas neuerer Melancholie, und schwebt bleiern im luftleeren Raum.
Absurd anmutende Widersprüche zählen zu den großen Stärken dieses Albums. Die Suche nach dem Selbst, nach einem Umgang mit Ängsten und Unsicherheiten, inspiriert beabadoobee zu deutlich mehr Dringlichkeit. Natürlich entstand daraus keine reine Rock-, Grunge- oder Emo-Platte, das wäre vielleicht doch (noch) ein Schritt zu weit gewesen. „Pylon“ findet jedoch einen gelungenen Mittelweg, deutlich schroffer und dringlicher umgesetzt, zugleich voller intimer und melancholischer Momente. Das passt perfekt zum Ringen mit Identität und der eigenen Mitte, mit großer Symbolkraft und unbändiger Energie umgesetzt. Bea Laus geht den nächsten starken Schritt als Künstlerin.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 18.09.2026
Erhältlich über: Dirty Hit / Interscope Records
Website: www.beabadoobee.com
Facebook: www.facebook.com/radvxz
