De Staat – De Staat

De Staat
(c) Kees Klein

Nach dem Abschluss ihres bunten Liederzyklus nahmen sich De Staat eine kleine Auszeit. Etwas kreative Regeneration war notwendig, nur um jetzt dem eigenen Bandnamen alle Ehre zu machen. Die niederländische Alternative-Institution widmet sich auf seinem siebten Studioalbum Themen wie Macht, Manipulation, Falschinformationen und Autokratie – als Reaktion auf die Zeichen der Zeit und Ausdruck jüngerer Entwicklungen. Begleitet von Kunstinstallationen und konzeptuellen Live-Shows, kann eine solche Platte selbstverständlich nur einen Namen tragen: „De Staat“.

Die wütend marschierenden Salven des eröffnenden „The King“ machen sehr schnell sehr deutlich, dass nichts an diesem Album unnötig zugänglich ausfällt. Wütende Distortion, elektronisch befeuerter Minimalismus und geradezu industrielle Post-Punk-Vibes beschwören die gesellschaftliche Apokalypse herauf. Kaum hat man sich aus den Fängen dieses noisigen Husarenritts befreit, wiegt „The Fire“ erst einmal in falscher Sicherheit. Wieder und wieder tauchen kantige, maximal entstellte Gitarren aus den Untiefen auf, während die Rhythmusabteilung in einträchtiger Eintönigkeit durch die Szenerie marschiert. Fast comichaft thronen kraftvolle, lebhafte Vocals über dem bizarren Konstrukt.

Selbstverständlich sind das noch längst nicht alle Überraschungen, die De Staat zu bieten haben. Die bewusste Synth-Reduktion von „The Boy“ samt geradezu beiläufig mitlaufender Melodie nimmt proggige Züge an, spielt mit Patton’scher Stimmakrobatik und tänzelt letztlich durchs verletztliche Nirgendwo. Dort bemüht sich „Freedom“ um selbigen, hat etwas von einer Rock-Hymne, nur um im nächsten Moment ein wenig zu croonen und erstaunliche Smoothness in den Mix zu packen. Mehr davon gibt es übrigens im Hidden Track nach „Faith“, das Aufbruchsstimmung mit existenzieller Nachdenklichkeit verbindet. Dass „Glory“ ein wenig Young Fathers einbringt, hat Charme.

Ein gewisses Maß an Überforderung ist bei De Staat nicht neu, doch nimmt diese ganz neue Formen an. Stellenweise meint man sogar, einen Hauch musikalischer Verweigerungshaltung zu hören, ganz im Zeichen pointierter gesellschaftlicher und politischer Beobachtungen, die den Finger in die Wunde legen. Natürlich toben sich die Niederländer weiterhin über alle Maßen aus, bloß insgesamt eine Spur elektronischer und stoischer. Ihr selbstbetiteltes Werk stellt sich breiter und synthetischer auf, erinnert in manchen Momenten sogar ein wenig an Liars und Laibach, nur um zurück zu vertrauten Ufern zu kehren. Derlei Konzeptkunst wird die Lager spalten und für Diskussionen sorgen, ist letztlich aber hochgradig mitreißend geworden. Quasi wie immer, aber natürlich komplett anders.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 18.09.2026
Erhältlich über: V2 Records (Bertus)

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