Roomer – Staircase Made Of Rope

Drei für sich aktive und kreative Musiker:innen, die rund um Folk, Elektronik und Avantgarde kreisen, finden für ein imposantes Ganzes einmal mehr zusammen. Nach dem packenden „Leaving It All To Chance“, das auf jahrelang live erprobtem Material beruhte, wollten Roomer bei ihrer nächsten Platte gleich einmal alles anders machen. Lockere Strukturen, First Takes und Improvisationen ergeben ein Werk, dass sie selbst als ‚lose Angelegenheit‘ bezeichnen. Das Trio aus Berlin möchte sich und seinen Sound, der sich rund um Shoegaze und Dream-Pop/Rock dreht, bewusst hinterfragen und auf die Probe stellen. „Staircase Made Of Rope“ schafft das auf eindrückliche Art und Weise.
Man fange beispielsweise beim Ende an, wenn sich der Titelsong „Staircase Made Of Rope“ langsam, aber sicher der Musikwerdung annähert, bestenfalls sehr locker zusammengehalten und in diesem nahezu permanenten Understatement von nicht von der Hand zu weisender Eindringlichkeit getragen. Die Vocals flattern um das angedeutete Arrangement, es wird nach und nach etwas lauter, fast wie Post-Gaze-Rock, nur um vor dem Crescendo zu kapitulieren. Der Weg ist das begeisternde Ziel – gilt auch für „Something New“, das wiederholt kurze Peaks andeutet, sich kaum merklich erhebt und doch immer wieder mit zittrigen Tönen und ominösen Backings auf dem Boden der Tatschen aufschlägt.
„For Yves“ bricht mit all dem und rockt einfach mal forsch nach vorne. Drei unmittelbare, kantige Minuten erwischen kurz am falschen Fuß, dann ist sogleich alles eitel. Der unaufhörliche Drive macht Laune und zeigt Roomer wieder von einer anderen Seite, die aber keinesfalls eine Abkehr von der eigentlichen Mission bedeutet. In „Sundown“ wird das klar hervorgehoben, selbst wenn die sägenden Gitarren zwischenzeitlich entfernt an Sigur Rós erinnern. Anstatt isländische Felsmonolithen mit ausgesuchter Leichtigkeit zu erklimmen, wird die Lässigkeit des Seins gekonnt aus dem Ärmel geschüttelt. „Written By“ kann das ebenso, tut das auch und bremst sich einmal mehr vor der Explosion ein – hypnotisierend schön.
Gekonnt führen Roomer immer wieder mal auf die falsche Fährte, wiewohl das gerne mal gefühlt ein wenig zufällig geschieht. Diese Begleiterscheinung bewusst offen und spontan gehaltener Songs bricht mit Erwartungen, die es eigentlich weder geben kann noch soll. Das trifft auf auch eventuelles Schubladendenken zu – ist das noch Shoegaze? Besser gefragt: Ist das nicht eigentlich egal? Das Trio aus Berlin gibt sich offener und weitläufiger, täuscht viel an und tastet sich durch unwirkliche Welten. Fragiles Selbstbewusstsein und Readymade-Arrangierung gehen eine packende Symbiose ein, das „Staircase Made Of Rope“ legt erstaunliche Seilschaften offen. In Roomers Traumwelten liegt man oft tief beeindruckt wach – ein hochspannendes zweites Album, das nicht loslässt.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 18.09.2026
Erhältlich über: Squama
Website: roomer-band.com
Instagram: www.instagram.com/___roomer
