Games We Play – I Wish I Never Quit

Zurück auf Start: Die vermeintlich beste Phase seiner jungen Karriere endete für Emmyn Calleiro mit einer Identitätskrise. Als Games We Play verlor er den Plattenvertrag mit seinem Lieblingslabel, seine Band zerfiel und nach Support-Slots für Fall Out Boy und Yungblud war er plötzlich wieder alleine unterwegs. Das klappte erstaunlich gut, wurde aber von einer Existenzkrise begleitet. Als Jungvater ging es darum, einen für sich und seine Familie sinnvollen weiteren Weg zu finden. Nachdem er seit seiner Jugend Hilfe hatte, schrieb er dieses Mal alle Texte selbst, arbeitete die Musik über ein Jahr hinweg aus und wagte sich über vermeintliche Pop-Punk-Limits hinaus. Das Ergebnis hört auf den Namen „I Wish I Never Quit“.
Gleich vorneweg: Die Lyrics sind all over the place und ringen mit Selbstmitleid. Das zeigt sich vor allem in der Bestandsaufnahme „A Proper Introduction“, das Calleiros Geschichte von den Anfängen als 14jähriger Songschreiber im eigenen Schlafzimmer bis heute zeigt – sehr roh, sehr puristisch, gerne etwas wackelig. Der treibende, leicht angepunkte Rock packt dafür sofort zu und illustriert die große Stärke des Musikers: die Musik an sich. Geschickt lässt er das Arrangement anwachsen, bis zum von Blechbläsern unterstützen Schlussakt. Die schüchterne Frage „Is This What I’m Made Of“ mit Piano-Unterstützung wirkt im Vergleich dazu direkt brav, geht aber ebenso ins Ohr.
Die Gitarre in „This Is A…Song“ erinnert kurz an „Brazil“ von Declan McKenna, dann wird es erst einmal hoffnungsvoll und philosophisch … dann kämpferisch und hoffnungsvoll. Die Metamorphose macht Laune, wie auch das charmante Pandering von „The Smash“, das den Weg zu einem vermeintlich erzwungenen Hit nachzeichnet. Ein solcher ist das hier vielleicht nicht, aber mindestens so sympathisch wie die nachdenkliche Ballade „Enid“, die Calleiro von seiner besten Seite zeigt. Diese Verletzlichkeit steht ihm erstaunlich gut zu Gesicht. Doch auch der hektische, hibbelige Folk-Punker „Right Place, Wrong Timing“ macht auf seine Weise viel Laune.
„I Wish I Never Quit“ klingt über weite Strecken unbeholfen, etwas ungeschliffen, flirtert sogar etwas mit Dilletantismus, wobei das maximal für die stellenweise kurios anmutenden Texte gilt. Rundherum entsteht eine hochgradig musikalische, sympathische Platte, die den eigenen Klangkosmos bewusst erweitert, nicht unbedingt auf Hooks und Radiotauglichkeit achtet, letztlich aber über weite Strecken ins Ohr geht. Games We Play bleibt Pop Punk treu und findet eine komplett eigene Version davon – folkiger, rockiger, etwas experimenteller. Auch mit den greifbaren Schönheitsfehlern ist das hier eine verdammt gute, etwas kurze und angenehm sympathische Platte geworden.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 18.09.2026
Erhältlich über: Nettwerk
Facebook: www.facebook.com/gamesweplay
