Blackbird Mantra – 2 AM

Ist es noch tief in der Nacht oder ist der nächste Morgen bereits nah? Zwischen ausgeprägter Finsternis und dem anstehenden Tageslicht breiten Blackbird Mantra ihre magischen Schwingen aus. Stolze sechs Jahre sind seit ihrem ersten und – bis jetzt – einzigen Album vergangen, begleitet von privaten und globalen Veränderungen. Irgendwann musste das Quartett aus Hamburg die ewig kreisenden Gedanken zu Papier und Band bringen, nach und nach in ausgedehnten Songwriting-Sessions zusammengebastelt und schließlich in Lissabon nahezu sonnig abgemischt. „2 AM“ lässt den Psych-Sound aus der Garage ein weiteres Mal wachsen.
Das Besondere der nachtschlafenen Stunde zeigen bereits die Titel zwei aufeinanderfolgender Tracks. Erst tastet sich „2 AM“ lässig und doch bestimmt voran. Während die Rhythmusabteilung stellenweise annähernd dominant wirkt und ein wenig Percussion hinzunimmt, lehnen sich Gitarren und Gesang weit zurück. Konstanter angenehmer Fluss, magische Melodien und schemenhafte Schwere wandeln zwischen Traum und Wirklichkeit, Bouzouki-Flair inklusive. „Bright Morning“ klingt nach Aufbruch, springt förmlich auf und packt krautige Rhythmik aus. Hinter dem motorisierten Auftreten steht ein sympathischer, hektischer Indie-Track mit feinster Melodik und kleinen Kanten.
Am anderen Ende des Albums verlieren sich die Nordlichter in der Endlosigkeit des Seins. Der Fünfminüter „Silhouettes“ lässt sich treiben, auf butterweichen Schwingen getragen, während die Gitarren um das Geschehen schwirren und das Leben einfach mal vorüberziehen lassen. Selbst für dezente World-Music-Einflüsse bleibt Platz. Etwas mehr Tempo und Elan bemüht „In A Way“ – alles andere als hektisch angelegt und dabei von einer bestensfalls oberflächlich ziellosen Dringlichkeit geprägt. In „Atlantis“ gehen Blackbird Mantra glücklicherweise nicht unter und folgen stattdessen einem unwirklichen Schimmern, wie ein in Pastellfarben getränktes Echolot.
Von der permanenten Endlosigkeit des Seins umgeben, wandeln Blackbird Mantra auf durchaus vertrauten Pfaden und interpretieren diese auf grundsympathische Weise etwas anders. Die DNA ihrer bisherigen Releases ist noch vorhanden, erhält allerdings eine Frischzellenkur. Die geschickte Platzierung zwischen Welten und Sphären – Velvet Beins exzellente Produktion sollte auf keinen Fall unerwähnt bleiben – entführt in unwirkliche Gefilde und tänzelt dort leger. Mal etwas energischer und zupackend, dann wieder tiefenentspannt und verwaschen schleicht „2 AM“ durch die Nacht und befasst sich mit den semi-philosophischen Eckpfeilern des Seins – eine wunderschöne, vollends für sich einnehmende zweite Platte von Blackbird Mantra.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: La Pochette Surprise Records (SPV)
Facebook: www.facebook.com/blackbirdmantra
