The Tubs – Hard Life

Die ewigen Jangle-Grübler The Tubs klopfen wieder an. Das Quartett aus Wales klingt immer noch ein wenig wie eine Reinkarnation der Spät-80er-R.E.M., begleitet von britischem Folk und einem Sänger, der nur schwer aus seinem eigenen Kopf herauskommt. Für das dritte Album stellt sich Frontmann Owen Williams aber eine zweite Erzählstimme zur Seite, die die Unreife und Genusssucht ersterer aufs Korn nimmt. Das mag nicht immer ganz fair sein, hat aber richtig viel Charme. Einmal mehr von diversen Gästen und Langzeit-Supportern begleitet, befasst sich „Hard Life“ mit streitenden inneren Stimmen und den Widersprüchen des Lebens.
„Who’s Gonna Love You Now?“ paraphrasiert erst einmal „The Scientist“ und führt die Absurdität der beiden dem Protagonisten innewohnenden Stimmen aus. Flotter Jangle Pop flattert durch die Szenerie, der Chorus brennt sich sofort ein und die Strophen überfordern mit Atemlosigkeit. Williams klingt immer noch so, als würde er beim Singen langsam aufwachen – mehr noch in Tracks wie „The Way It Goes“, die das Tempo reduzieren und an die filigranen College-Rock-Wurzeln erinnern, von feinsinniger Folk-Instrumentierung unterstützt und zugleich mit beiden Beinen fest am Boden der im Kopf zusehend eskalierenden Tatsachen verankert.
Nach wie vor schreiben The Tubs unwiderstehliche Pop-Songs, die in einer gerechteren Welt im Radio laufen würden. Wie das famose „Stoop To Me“, das urplötzlich mit einem bunten Strauß Melodien vor der Tür steht und sogar noch einen Hauch Punk im ausklingenden Refrain mitbringt. „In Your Place“ wächst weiter und weiter, klingt stellenweise wie ruhigere Dinosaur Jr., verzichtet aber auf ein Solo. Statt abgedrehter Gitarre setzt es eine Überdosis an Gesangsharmonien, bis kurz vor Schluss die Fidel quietscht. Die komplette akustische Reduktion eines „Didn’t I Say?“ hat ebenfalls ihren Reiz, bricht den eigenen Sound auf ein absolutes Minimum herunter und landet mitten im Herz.
Mit einer logischen wie mitreißenden musikalischen Weiterentwicklung rennen The Tubs offene Türen ein. Man entfernt sich keinesfalls vom Sound der letzten Alben, bemüht sich aber um zunehmende Verfeinerung, noch mehr Melodien und Gefühl. Die sarkastisch-zweifelnde Zweitstimme im Kopf von Owen Williams ist ein echter Gewinn und bringt eine willkommene frische Dimension in dieses dritte Album ein. Vor allem aber ist „Hard Life“ eine weitere Sammlung sympathischer Ohrwürmer, voller Herz und Charme, weiterhin etwas verpeilt und in seiner Retro-Perspektive überaus spannend. Dass ausgerechnet diese Platte vieles gefühlt leichter macht, passt irgendwie.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: Merge Records (Cargo Records)
Instagram: www.instagram.com/_the_tubs_
