ACUA – Flood My Eyes

Das Leben on tour kann eine Band verändern. Nach dem Release von „Is There More Past Or More Future“ spielten ACUA mehr als 50 Konzerte, tourten fleißig – unter anderem in Kanada, Japan und Großbritannien – und gewannen vor allem einiges an Erfahrungen. Keyboarderin und Sängerin Maja machte die Kölner zum Quartett, zudem entstand die neue Platte deutlich kollaborativer. Alle vier Musiker:innen brachten sich ein, singen sogar ab und an Leads, während zugleich dem Pop deutlich mehr Platz eingeräumt wurde. „Flood My Eyes“ traut sich in jeder Hinsicht mehr und lässt frischen Wind wehen.
Leicht zittrig, etwas nervös und doch wunderbar bestimmt spaziert „Open My Hands“ aus den Boxen. Eine herrlich ungewöhnliche, schwer greifbare Spannung liegt in der Luft, als würden Klaxons Pop spielen und sich gelegentlich psychedelischen Gefilden zuwenden. Fast unbemerkt setzt der Refrain ein und lässt nicht mehr los. Ähnliches gelingt dem von Schlagzeugerin Caro geschriebenen und eingesungenen „Fearing And Facing The World“. Pointiert setzt sie sich mit den Erfahrungen als Frau in der Kreativbranche auseinander, kämpft sich durch die Stille und arbeitet darauf hin, die eigene Stimme zu erheben – understatet und intensiv.
Auf ganz andere Weise intensiv ist „All Sides Of Me“ mit jennylee und TT von Warpaint. Kraftvoll und doch verplant fällt der Song aus den Boxen, von mächtigen Drums angetrieben und dennoch quasi tiefenentspannt anmutend – eine wundervolle Eigentümlichkeit mit konzentriert eingesetzter Synthetik. Hingegen brandet „Free Fall Synergy“ wieder und wieder kurz auf, trifft eine imaginäre Wand und konsolidiert sich in zurückgelehnter Eingängigkeit. Auf der anderen Seite des Albums eröffnet ein famoses Duo. Erst bemüht sich „Now And Nothing“ darum, fast unbemerkt zu wachsen, bis obenhin voll mit prächtigen Melodien, nur um in den Sog von „Flood My Eyes“ gezogen zu werden, der kraftvolle und lautstarke Titelsong.
Wobei, wirklich ‚laut‘ im herkömmlichen Sinn wird es auf diesem dritten Album nur selten. Es brodelt vor allem bei der sehr aktiven Rhythmusabteilung, die mehr als nur den Takt vorgibt, während zwischen Entspannung, Verträumtheit, verklärtem Pop und gelegentlicher semi-forscher Klarheit gekonnt mit Melodien, Instrumentierung und Erwartungen gespielt wird. Auf „Flood My Eyes“ werden ACUA zur kompletteren Band, haben das fehlende Bindeglied, von dessen Abwesenheit niemand wusste, aufgespürt und wunderbar ins Gefüge eingebettet. Es dauert eine ganze Weile, bis diese Platte mit voller Kraft erfasst, lehnt sich bewusst so weit wie menschenmöglich zurück und packt dann umso überraschender zu. Wenig überraschend ist das hier großes Kino.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 04.09.2026
Erhältlich über: Papercup Records (Rough Trade)
Website: acuamusic.com
Facebook: www.facebook.com/ACUAMUSIC
