My Ugly Clementine – Apply Autonomy

My Ugly Clementine
(c) Mala Kolumna

Wenn My Ugly Clementine zusammenkommen, entsteht Magie. Sophie Lindinger, Mira Lu Kovcas und Nastasja Ronck (am Schlagzeug von Günther Paulitsch begleitet) haben diverse andere Schauplätze, doch gibt es mittlerweile etwa alle drei Jahre ein neues Album. Nun ist es wieder an der Zeit für ein solches, begleitet von Fragen und Überlegungen über Autonomie, Selbstbestimmung, Gemeinsames und Abhängigkeiten. „Apply Autonomy“ hat ein Herz für schöne, wichtige Verbindungen, teilt beherzt gegen Toxisches aus und tankt sich energisch durch Ablaufdaten und Hoffnungsschimmer.

Wenn „The Pretender“ Doppelmoral im vermeintlich aufgeklärten Umfeld aufzeigt und kritisiert, wird die Welt ein Stück besser. Dabei kommt der Track nur langsam in Schwung, wirkt zunächst fast unscheinbar, bevor der fluchende Refrain mit mächtigen Harmonien und kantigen Gitarren einsetzt – in jeder Hinsicht großartig und wichtig. Ganz anders imposant gestaltet sich „Unlawfully Wedded“ samt begleitendem Hochzeitsvideo. Normierte Vorstellungen von Familie und Beziehungen haben Pause, die Chosen Family rückt in den wohlverdienten Mittelpunkt. Understatete Töne mit erstaunlich scharfen Ecken und Kanten glänzen durch eindringliche Zurückhaltung.

Überhaupt gibt es so viele herrliche Details, Wendungen und kleinere Überraschungen auf dieser Platte. „You Won“ nimmt Shoegaze und Grunge mit, bettet all das in den Bandsound ein und spaziert mit unerwarteter Vehemenz nach vorne. Der Opener „Don’t Mess With Me“ lebt und liebt Distortion, badet in verzerrten Gitarren und haut am Höhepunkt eine der besten Melodien der gesamten Platte raus. Am anderen Ende des Albums geht es der ellenlange Titelsong gemächlich an, definiert sich über Charakterstimmen, Harmonien und dem steten Wandeln an einer Art imaginärem Abgrund, dem Zusammenbruch nahe. Dass sich der schleppende Track bis zum wütenden Ende doch immer wieder berappelt, macht Laune.

Auch das nunmehr dritte Album von My Ugly Clementine bereitet große Freude. Hier finden drei exzellente Musikerinnen zusammen, geben gewohnt klare Kante und rennen damit offene Türen ein. „Apply Autonomy“ arbeitet daran, die eigene Nische zu finden, teilt wohlverdiente, längst überfällige Gnackwatschn aus und beweist selbst in richtig schön rohen, bewusst unbequemen Momenten Herz und Stil. Jeder Song macht Laune, die Gitarrenwände verdrehen den Kopf, während präzise Zeilen für wertvolle Klarheit sorgen. Das Wiener Trio zeigt sich weiterhin in richtig guter Form. Man sieht sich in etwa drei Jahren wieder.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 04.09.2026
Erhältlich über: My Ugly Clementine (SPV)

Website: myuglyclementine.com
Facebook: www.facebook.com/myuglyclementine