le_mol – split split

Einzelteile zerbrechen nicht, sie spalten sich nur auf. le_mol sind keine Spalter, lieben aber Leerstellen gemäß ihrer jüngsten Platte. Während es da noch um Instabilität und Krisen ging, geht es nun etwas weiter auseinander – manchmal vermeidbar, manchmal nicht zu verhindern. „split split“, das sechste Album des Wiener Duos, platziert sich zwischen den Extremen des Zwangs und der Nuance und denkt seinen elektronisch erweiterten Post Rock weiter. Mal aufbrausend, mal filigran und beinahe wortlos geht es alten, neuen Ufern entgegen.
Wobei sich diese Ufer gerne selbst zerlegen, zumindest trägt „splitsville“ dies bereits im Titel. Das forschende Herantasten lässt falscher Sicherheit keinen Raum, ist dafür aber richtig intensiv. Speziell die wirbelnden Drums deuten erstaunliche, zuweilen unerwartete Wucht an. Das große Post-Rock-Crescendo folgt spät, nach ausdauderndem Verweilen im hypnotisierenden Vorhof. Zarter Einsatz von Elektronik und singende, fragmentierte Gitarrentöne müssen erst zusammenfinden, dann kocht das Ding auf charmante, dennoch deutliche Weise über. Eine unvermeidliche Spaltung trifft mitten ins Herz, bis zur feinfühligen Coda.
Auch „one third split second“ baut wunderbar auf, wenngleich der Weg zum Ziel lebhaft ausfällt, Klavier und Loops zunehmend anschwellen lässt. Das wirkt kurz jazzig, stets experimentiell, vor allem aber maximal unwirklich. Wenn sich der imaginäre Himmel nach vier Minuten letztlich verfinstert und eine nahezu metallische Druckwelle alles niederbügelt, fühlt man sich wie durchgekaut und ausgespuckt. In „split tongue“ überraschen unwirkliche, verträumte Vocals. Die Wiener Künstlerin The Zew garniert ein waberndes Stück Musik mit verwaschener Eigentümlichkeit, wie ein zusätzliches Instrument eingesetzt, und in aller existenzialistischer Ausprägung doch so klar und bestimmt vorgetragen.
Ein verwirrendes Spiel begeistert, während die Welt auseinanderdriftet, zusammenstößt und dabei laufend kollabiert. Der eigenwillige Soundtrack dazu kommt von le_mol, die ihren Post Rock ein weiteres Mal sehr frei auslegen, mit Shoegaze, Indie Pop und Ambient garnieren, ohne auf die fast obligatorischen intensiven Eruptionen zu vergessen. Kleine, feine Plateaus mit Heavyness, die selbst tektonische Platten in Driftzustand transportiert, garnieren das eigenwillige „split split“, das Geduld verlangt und entlohnt. Weitestgehend wortlose Kunst, kuriose Klanggebilde und Unwohlsein in wohligen Sphären gehen unter die Haut. Es geht auseinander, was zusammengehört.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: Noise Appeal Records
Website: www.lemol.at
Facebook: www.facebook.com/leunderscoremol
