PÆRISH – Rita

PÆRISH
(c) Line Février

Die Zeit verändert so ziemlich alles, auch die eigene Kreativität. PÆRISH stellen fest, dass der Ideenreichtum mit zunehmendem Alter schwindet. Dabei ist gerade die Verbindung zur eigenen Kindheit und Jugend als Künstler überaus wichtig, wie Sänger und Gitarrist Mathias Court betont. Auf ihrem neuesten Streich setzen sich die Franzosen intensiv mit eigenen Erinnerungen auseinander, von Urlauben an der Küste bis hin zu ersten musikalischen Schritten, ringen aber auch mit erwachsenen Themen, von toxischen Beziehungen bis zur Angst vor dem Kreativitätsverlust. Zugleich denkt „Rita“ den eigenen Sound weiter und holt mehr Heavyness in den Gaze-Mix.

Bestes Beispiel dafür ist das vorab veröffentliche „Wait For Dark“, das sich seine zurückgelehnte Energie zwar behalten konnte, jedoch mit deutlich mehr Drive und Intensität verbindet. Die wirbelnde Rhythmusabteilung und die heulenden Gitarren fahren durch Mark und Bein, noisig-punkige Wucht trifft auf eine Fülle an Melodien. Auch „Vapor Cloud“ ist ein echter Dampfhammer geworden, schraubt das Tempo nach oben, erinnert an die Alternative-Ursuppe und garniert all das mit einer der besten Hooks des gesamten Albums. Derlei Widersprüche, die letztlich richtig viel Spaß machen, bleiben eine der größten Stärken von PÆRISH.

Wenige Türen weiter taucht „Always Assuming“ möglichst weit unter. Diese knapp sieben Minuten lange musikalische Meditation lebt von gleichzeitig butterweichen und kratzigen Texturen, lässt den Song kommen und zerschießt diesen zugleich mit wütenden, donnernden Drums. Gerade die zweite Hälfte, die urplötzlich auf 100 geht und dann einen intimen Nullpunkt erreicht, ist großes Kino. In „Swamp Monsters Of Malibu“ regieren hingegen vertraute Emo-Einflüsse, packen süßliche Melodien in schabende Gitarrenwände und drehen am Stand durch. Das geht ebenso unter die Haut wie der laute, heimelige Opener „Prince Of Darkness“.

Locker und lässig drehen PÆRISH alle Regler auf Elf und toben sich mit wachsender Begeisterung aus. Ja, ihr neuester Streich fällt um Welten lauter und härter aus, wirkt stellenweise geradezu noisig und scharfkantig, büßt aber rein gar nichts des vertrauten Shoegaze-Charmes der Franzosen ein. Das kann eigentlich nicht funktionieren, macht im Falle von „Rita“ aber verdammt viel Laune. Mächtige Melodien, plüschige Texturen und ein paar Reißzwecken spannen den Bogen von der Kindheit bis zum Hier und Jetzt, begleitet von Momenten hypnotisierender Schönheit und aufrüttelnder Intensität. Einmal mehr zeigen sich PÆRISH von ihrer besten Seite.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: SideOneDummy Records (Bertus)

Facebook: www.facebook.com/paerish