Quicksand – Bring On The Psychics

Quicksand
(c) Annette Rodriguez

Seit ihrer jüngsten Reunion 2012 melden sich Quicksand alle paar Jahre mit neuer Musik, und das zuletzt ein Tacken experimenteller als zu ihrem Post-Hardcore-Heyday in den 90ern. Ihr drittes Album nach der Wiedervereinigung will nun bewusst eine Brücke zwischen beiden Phasen schlagen – härter und kompromissloser auf der einen, verplant und gerne mal etwas schräger auf der anderen Seite. „Bring On The Psychics“ bemüht sich darum, neue Wege zu beschreiten, auch wenn das Leben gerade etwas härter zulangt. Auch für die eine oder andere kleinere Überraschung bleibt Platz.

Die größte von ihnen heißt „Days You Run To“, dauert stolze fünfeinhalb Minuten und reduziert die bestens vertraute Instrumentierung auf ein absolutes Minimum. Locker angeschlagene, kaum verzerrte Gitarren, reduzierte Rhythmusabteilung und ein ruhiger Walter Schreifels mit klarer Stimme lassen die Augenbrauen hochgehen. Das ist ein ganz schöner Stilbruch, wiewohl der abschließende Titeltrack zumindest im Intro ein paar Elemente davon mitnimmt. Aber eben auch vertrauten Post-Hardcore, eine Prise Punk und Alternative Rock. Es brodelt in vornehmer Zurückhaltung, gleichzeitig leichtfüßig und erdrückend.

Und doch langen Quicksand rundherum immer wieder gerne laut und heftig zu. Der Opener „Get To It“ knüpft ein wenig an die Anfänge an, langt beherzt und unbequem zu. Mehrere Druckwellen übermannen mit wachsender Begeisterung. Davon nimmt auch „Cool Guy“ einiges mit, schleppt sich gelegentlich ein wenig und wirkt trotz gerade einmal zwei Minuten Spielzeit erstaunlich episch. „Supercollider“ deutet in den Strophen ein wenig Stakkato an, nur um einen supermelodischen, feinfühligen Refrain hinterherzuschicken – quasi das Beste beider Welten. Das beherrscht auch das famose „Regenerate“, so etwas wie das Destillat dieser neuen Platte. Gaze-artige Klangflächen und ein wütender Schlussakt harmonieren erstaunlich gut.

Eigentlich fehlt „Bring On The Psychics“ nur ein Übersong zum vollkommenen Glück. Macht aber nichts, denn auch so kann diese frische halbe Stunde absolut unterhalten. Tatsächlich ist die Platte erst einmal gar nicht so einfach, wirkt trotz leichtfüßiger Produktion ein wenig störrisch und bissig. Und dann findet die Summe der einzelnen Teile langsam, aber sicher zusammen. Quicksand machen es sich mit diesem Brückenschlag nicht einfach. Die musikalischen Extreme langen beherzt zu, der goldene Mittelweg macht jedoch am meisten Laune. Hart und herzlich findet das US-Trio packende Atmosphäre, die mit wundervoller Intensität nicht mehr loslässt. Etwas ungewöhnlich, sehr strange und gerade deswegen eingängig und sympathisch: Quicksand bleiben Meister ihres Fachs.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 17.07.2026
Erhältlich über: Rude Records / Equal Vision Records (SPV)

Website: quicksandnyc.com
Facebook: www.facebook.com/QuicksandNYC