TYNA – Allen geht es

Der Weg zum neuen Album stotterte bei TYNA unerwartet. Nach dem kurzweiligen Einstand „PNK“ spielte man erst einmal fleißig. Anfang 2026 stieg Keyboarder Freddie Wiese aus, Produzent:innen brachen wegen Burnout weg, wie auch die erhofften Förderungen. Durch Crowdfunding, stückweise Zusammensetzung neuer Songs quer über Deutschland hinweg, tausende Tourkilometer, den einen oder anderen Streit, aber auch viel Zusammenhalt klappte es doch. „Allen geht es“ ist das Ergebnis der letzten Jahre, der Hochs und Tiefs, der kompromisslosen Auseinandersetzung mit dem eigenen Sound, der eigenen Identität und der Welt rundherum.
Wie geht’s es dir (eigentlich wirklich)? Der Titelsong „Allen geht es“ liefert die Antwort: Es geht, und zwar bei allen. Wie genau, ist letztlich zweitrangig, während sämtliche Sinne von Fragen, Eindrücken und Fettnäpfchen torpediert werden. Mutters Wohnung wird ausgeräumt – ist die jetzt zu haben? Das brennt beim Zuhören, wie auch der stylische Mix aus Rock, Punk, HipHop und Electro. Ähnlich wild und packend zeigt sich „ADHS“ und packt die hibbelige Energie der Titelheldin in die elektronisch befeuerte Arrangierung. Ordentlich Geschwindigkeit, clevere Produktionskniffe und Autotune-Ironie greifen um sich.
Mit ausgesuchter Präzision und breiter musikalischer Präsentation geht es um ernste Themen, wie das eigene Selbst. „Kamehameha“ zerlegt die – vor allem bei Frauen beklemmend prominente – Gefahr, nachts alleine auf die Straße zu gehen, mit energischem Drive und einem klaren Bekenntnis dazu, die eigene Meinung zu sagen, kritisch zu hinterfragen und sich selbst zu lieben. „Zu laut“ denkt dies vor dem Hintergrund einer gescheiterten Beziehung weiter. Apokalyptisches Brodeln lässt Herzen brechen und überlegt, ob man wirklich alles ändern muss, um jemandem zu gefallen. „Halt-deine-Fresse-Mann“ ist vielleicht nicht die Antwort darauf, als mächtiger Kinnhaken aber mindestens so wichtig.
Während die semi-versöhnlichen, kraftvollen Töne von „Buntstiftsonne“ langsam ins Fade-out begleiten, scheint alles ein wenig besser, oder? Von einem Happy End zu sprechen, wäre übertrieben, doch ist der Weg zu besseren Tagen das tatsächliche Ziel. TYNA treiben das einmal mehr laut und deutlich voran, wirken kompakter und selbstbewusster, klarer in ihrer musikalischen Aussage. Die Songs klingen vielfältiger und tighter, der Sound wirkt offener und fokussierter zugleich, zudem finden die noch stärkeren Lyrics einmal mehr ihren Weg in Herz und Hirn. „Allen geht es“, und bei TYNA geht es noch besser – ein mehr als unterhaltsames zweites Album.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 07.08.2026
Erhältlich über: Redfield Records
Facebook: www.facebook.com/TYNAband
