HMLTD – FANGS

Eigentlich hielten HMLTD nur ein Jahr nach dem Release von „The Worm“ bereits ein komplettes Album in den Händen. Man verwendete so ziemlich den gesamten Vorschuss der Plattenfirma, um eine Indie-Platte in klassischer Bandbesetzung aufzunehmen, die sich mit einer besonders traumatischen Trennung im Leben von Sänger Henry Spychalski befasste. Die Band hasste das Ergebnis, kam mit dem konservativen, in Selbstmitleid ertrinkenden Ergebnis nicht zu recht und wollte stattdessen den kunstvollen, subversiven Weg der Vorgänger fortsetzen. Das Ergebnis heißt „FANGS“ und geht in eine komplett andere Richtung.
Mangels Budget vor allem in altbekannter DIY-Manier aufgenommen, dreht sich dieses Album um Vampirismus, der mit Kapitalismus im Endstadium gleichgesetzt und zugleich von einer neuen Form klassischer Gothic-Klänge getragen wird. Das liest sich nicht nur schräg, der Titel des Openers „What The Hell“ bringt den ersten Eindruck auch auf den Punkt. Wütende Beats, drückende Bassläufe, um das Arrangement schwirrende Rave-Elemente und Spychalskis beschwörende Vocals drehen The Prodigy durch den post-dadaistischen Fleischwolf und tanzen drauf. Und doch geht diese bizarre, finstere und zugleich komplett aufgedrehte Wahnsinnstat ins Ohr, irgendwie.
Unwahrscheinliche, unorthodoxe Ohrwürmer gibt es so und so in Hülle und Fülle. Der Cabaret-Albtraum „Chateau Vamp Freestyle“ denkt frühe Panic! At The Disco weiter (zurück) und liebt seine endlose, maßlose Theatralik. Hingegen dreht das zunächst unterkühlte „Sorry For Laughing“ so richtig auf. Gemeinsam mit Corpus Delicti klopft man erst ein wenig bei Depeche Mode an, bevor Noise und Loudness Wars alles zerlegen. „I Used To Ride In Limousines“ hat etwas Übertriebenes an sich, verpackt finstere Maßlosigkeit in Dance-Punk, fällt sich selbst ins Wort und sägt dabei. Die wütende, mit Growls und Screams ausgestattete Antwort „Grab The Crucifix“ gibt den Rest.
Wenig überraschend drehen die abermals neu formierten HMLTD komplett am Rad und finden daran hörbaren Spaß. Irgendwo zwischen zermürbender Finsternis, verstörender Parodie und Hooks am laufenden Band entsteht ein Album, das gleichermaßen bizarr und hypnotisierend ausfällt. Komplette Esktase im düsteren Club, Blutsauger auf der Führungsebene und verwegener, für Pop offener Wahnsinn rattern wieder und wieder durch. „FANGS“ versenkt seine Zähne im Nacken des Irrsinns, entzieht diesem seine Daseinsberechtigung und ersetzt ihn durch wohlige Verstörung – ein gewohnt anstrengender, zugleich mitreißender und eindringlicher Husarenritt echter Überzeugungstäter.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 23.10.2026
Erhältlich über: Lucky Numbers Music (Virgin Music)
Website: www.hmltd.org
Facebook: www.facebook.com/HMLTD
