Meltt – Pathways

Meltt
(c) Zachary Vague

Nach einer längeren Tour und einer Platte, die zwischen Konzerten entstand, brauchten Meltt eine kleinere Pause. Mit etwas kreativer Distanz ergaben sich letztlich über 100 Ideen, die von den vier Herren aus Vancouver nach und nach in Songs verwandelt wurden. Ihrem bestens gelaunten Indie Pop mit schillernden Gitarren und psychedelischen Ausritten blieben sie treu, produzierten zudem alles selbst und holten sich einzig für den Mix mit Chris Coady (u. a. Beach House, TV On The Radio) etwas Unterstützung. Das dritte Studioalbum „Pathways“ setzt sich mit dem Älterwerden – die Kanadier werden demnächst 30 – und dem eigenen Lebensweg auseinander.

Dazu gehören Abschiede: „Goodbye“ packt zur Albummitte die Synthesizer aus und träumt sich in neue Sphären. Sympathische Gemächlichkeit, schillernde Melodien und ein Hauch Yacht-Charme treffen auf den feinsten Hauch von Psychedelia – angenehm eigentümlich, anderweltlich und auf entspannte Weise eingängig. Dass hinter „Never Let Go“ ein relativ gemütliches Arrangement steckt, verwirrt erst einmal mit wachsender Begeisterung. Behutsames Herantasten kollidiert mit höheren stimmlichen Registern und einem erstaunlich zwingenden Beat. Wenn der Track urplötzlich anschwillt und alles in den Arm nimmt, wird das Leben ein wenig schöner.

Zu „Up All Night“ möchte man sich tatsächlich niemals schlafen legen. Gewisse Parallelen zu frühen The Naked And Famous machen Laune, eine der besten Melodien des gesamten Albums beißt sich binnen Sekunden fest und lässt nicht mehr los. Dennoch bleiben Meltt tiefenentspannt. Das gilt auch für das marginal flottere „I Love You“ mit urplötzlichen lauten Momenten, der einen oder anderen Gitarre und schrittweise Abdriften in augenzwinkernde instrumentale Gefilde. „The Huntsman“ geht in Richtung Indie Rock und Britpop, haut eine hochgradig eingängige Gitarren-Hook raus und nimmt zum Ende hin richtig Fahrt auf. Der sonnige, akustische Rausschmeißer „In Good Time“ könnte kaum eine bessere Antithese sein.

„Pathways“ ist eine Platte, in der man sich wunderbar verlieren kann. Der konstante Fluss dieses dritten Longplayers macht beste Laune, selbst in etwas ernsteren Passagen. Hier steckt Herzblut in rauen Mengen drinnen, was nicht zu überhören ist. Meltt haben massig Ideen in stets stimmige, vielschichtige Songs mit dem einen oder anderen doppelten Boden gepackt. Hooks sind gewiss keine Mangelware, gewisse Parallelen zur großen glammig-elektronischen Indie-Pop-Welle vor etwa 20 Jahren sind eine willkommene Begleiterscheinung. So klingt der Soundtrack für den Sommer – und selbstverständlich weit darüber hinaus. Das bislang beste Album von Meltt bereitet Freude.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 12.06.2026
Erhältlich über: Nettwerk

Website: www.meltt.ca
Facebook: www.facebook.com/MelttMusic