Autor: Verena Riedl

Jag Panzer – The Deviant Chord

Es ist gerade mal wenige Jahre her, da waren Jag Panzer eigentlich schon Geschichte. Nach zwei weniger erfolgreichen Alben („The Scourge Of Light“ im Jahr 2011 und „Casting The Stones“ ganze sieben Jahre davor) und internen Bandquerelen gab man vor sechs Jahren die Bandauflösung bekannt. Für viele Fans härterer Klänge kam dies einem schweren Verlust gleich, haben die US-Metaller mit Klassiker-Alben wie „Ample Destruction“ und „Thane To The Throne“ doch gehörig Staub aufgewirbelt. 2017 sieht die Lage zum Glück wieder viel besser aus. Sangesgott Harry ‚The Tyrant‘ Conklin und vier seiner langjährigen Mitstreiter haben sich noch einmal zusammengerauft und mit „The Deviant Chord“ eine Scheibe eingespielt, die ihre direkten Vorgänger in Ehrfurcht erzittern lässt.

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Carrousel – Filigrane

Carrousel? Da war doch was… Wer den Namen schon mal gehört hat und das französisch-schweizerische Duo dabei nicht versehentlich mit der US-Elektropop-Band Carousel verwechselt hat, der hat vermutlich im Jahr 2013 den Schweizer Eurovision Song Contest-Vorentscheid am Rande mitbekommen. Damals schrammten die beiden Gesangstalente Sophie Burande und Léonard Gogniat mit ihrem zweitplatzierten Song „J’Avais Rendez-Vous“ nur knapp an der ESC-Teilnahme vorbei. Auch sonst waren Carrousel in der letzten Zeit alles andere als untätig und bringen nun, im zehnten Jahr ihres Bestehens, mit „Filigrane“ bereits ihr viertes Studioalbum in die Läden.

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Gary Numan – Savage (Songs From A Broken World)

Wer sich mit den Anfängen der New Wave-Musik der 80er Jahre beschäftigen möchte, kommt an dem Namen Gary Numan kaum vorbei. Kein Wunder, hat der 59-jährige Brite mit „Are Friends Electric“ und „Cars“ doch gleich zwei der ersten großen Hits dieser Szene geschaffen. Schon damals ging Gary Numan einen Sonderweg, denn anders als zeitgenössische Prä-New Wave-Interpreten wie The Stranglers, Public Image Ltd oder Ultravox waren er und seine damalige Band Tubeway Army in keiner Weise vom Punk beeinflusst, sondern in erster Linie von Elektronik-Vorreitern wie Kraftwerk. Und dieser Sonderweg setzt sich auch im Jahr 2017 fort, denn anstatt auf den grassierenden 80er-Revival-Trend aufzuspringen, überrascht er die Hörer mit „Savage (Songs From A Broken World)“, einem ziemlich sperrigen, aber nichtsdestotrotz hochklassigem Elektronik-Album.

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OMD – The Punishment Of Luxury

2006, noch relativ zu Beginn des 80er-Revivals, war die Freude über die OMD-Reunion in Originalbesetzung groß. Seitdem sind mit „History Of Modern“ und „English Electric“ zwei überaus gelungene Alben erschienen, die mit ihrer Mischung aus New Wave und Synthiepop mit dezent modernen Elektropop-Anleihen durchweg zu überzeugen wussten. Inzwischen ist der 80er-Boom auf einem neuen Höhepunkt angelangt, wöchentlich erscheinen neue Songs und Alben, die sich an jenem Jahrzehnt orientieren. Es wäre also ein Einfaches für OMD gewesen, einfach ein weiteres Retro-Album zu veröffentlichen. Genau das ist „The Punishment Of Luxury“ aber nicht geworden – stattdessen tendieren die fünf Briten mehr denn je in Richtung modernen Elektropops.

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Burning Witches – Burning Witches

„Die Schweiz, dieses romantische gipfelumrahmte Fleckchen Erde, steht für Alphörner, für Schokolade, Wilhelm Tell und Zürcher Geschnetzeltes – aber doch keinesfalls für Heavy Metal.“ Wer so denkt, kennt sich in der harten Szene nicht wirklich aus, denn aus unserem verhältnismäßig kleinen südlichen Nachbarn stammen nicht nur erfolgreiche Hard Rock-Bands wie Krokus, Gotthard und Shakra, sondern auch Metallegenden wie die Extrem-Metal-Urväter Celtic Frost und die Prog-Thrasher von Coroner. Mit dem Brugger Quintett Burning Witches tritt nun auch eine All-Female-Metal-Band an, um dem guten Ruf der Schweizer Hardwurstszene gerecht zu werden – was angesichts des Debütalbums „Burning Witches“ auch kein Problem darstellen sollte.

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8kids – Denen die wir waren

Eines der ungeschriebenen Gesetze der Musikbranche lautet: In deutscher Sprache wird erst gesungen, wenn der Boom eines Genres schon wieder abklingt. Das war beim Punk so, ebenso beim Hardcore und, jüngstes Beispiel, beim Metalcore. Nun ist auch der Post-Hardcore an der Reihe. Die kommerzielle Erfolgswelle liegt mit Bands wie Funeral For A Friend, Thrice, Underoath und den Architects knapp zehn Jahre zurück, doch erst seit etwa drei Jahren gibt es mit Marathonmann oder Fjørt im deutschsprachigen Underground nennenswerte Bands. „Denen die wir waren“, das Debütalbum des Darmstädter Trios 8kids, könnte mit seinem poppigen Charme aber sogar im Mainstream für Aufsehen sorgen.

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Dragonforce – Reaching Into Infinity

Nach ihrer Gründung 1999 und ihrem Bekanntwerden über ein MP3-Portal, entwickelten sich die Briten von Dragonforce schnell zu den Königen des ultramelodiösen Hochgeschwindigkeitsmetals. Damit hatten sie ihre eigene Nische gefunden, Kritiker bemängelten aber oft die stilistische Limitiertheit. Nach einigen schwächeren Alben und einem Sängerwechsel entdeckten Dragonforce auf „The Power Within“ 2012 die Tempiwechsel und gestalteten das 2014er Album „Maximum Overload“ noch etwas abwechslungsreicher. 2017 reicht ihnen aber auch das nicht mehr – auf „Reaching Into Infinity“ sprengen sie die abgesteckten Genregrenzen des Power Metals.

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Dreamcar – Dreamcar

No Doubt ohne Sängerin Gwen Stefani, dafür verstärkt durch das Organ von AFI-Vokalist Davey Havok? Zumindest von der Besetzung her könnte man das US-amerikanische Quartett Dreamcar auf diese simple Weise umschreiben, den musikalischen Kern würde man damit aber nur unzureichend treffen. Die 2014 gegründete Band erinnert nämlich allerhöchstens dezent an den punkigen Pop-Rock von No Doubt, während Post-Hardcore à la AFI hier gar keine Rolle spielt. Stattdessen geht die Reise auf dem Debütalbum „Dreamcar“ zurück in die 80er: New Wave, Post Punk und besonders New Romantic geben hier musikalisch den Ton an, angereichert durch einen dezenten Zuckerguss neuzeitlicher Elemente. Ob Dreamcar im Zuge des grassierenden 80er-Booms mit dieser Mischung eigene Akzente setzen können?

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Blondie – Pollinator

Als Sängerin Deborah Harry und Gitarrist Chris Stein vor 43 Jahren die US-Band Blondie gründeten, war die New Wave-Bewegung noch nicht mal in ihren Kinderschuhen. Neben Größen wie Ultravox und The Human League waren es schließlich Blondie selbst, die dieser Musikrichtung zum Durchbruch wie auch zum Ruhm verholfen haben. Nach der Trennung 1982 und dem Comeback mit dem 1999er Hit „Maria“, wurde es jedoch wieder ruhiger um Blondie. Die letzten beiden Alben „The Curse Of Blondie“ (2003) und „Panic Of Girls“ (2011) floppten, so dass man anno 2017 beinahe von einem weiteren Neustart sprechen kann. Passend dazu wurde das neue Werk „Pollinator“ in ungewohnter Umgebung eingespielt – es handelt sich um das letzte Album, das im New Yorker Studio „The Magic Shop“, den heiligen Hallen David Bowies, vor deren Schließung aufgenommen wurde.

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The Cranberries – Something Else

Best-Of-Alben sind für langjährige Fans oft eine zwiespältige Sache. Wer sämtliche Alben einer Band besitzt, der benötigt die Zusammenstellung der größten Hits nicht, hat andererseits aber natürlich Interesse an den zumeist ein bis zwei neuen Songs der Greatest Hits-Scheiben?. Derartige Konflikte werden bei „Something Else“, der neuen Best Of-CD der Cranberries, gar nicht erst aufkommen. Da die vier Iren mit „Stars – The Best Of 1992 – 2002“ und „Dreams – The Collection“ aus dem Jahr 2013 bereits zwei reguläre Greatest Hits-Scheiben veröffentlicht haben, handelt es sich bei der neuen Scheibe um etwas Besonderes: Die Hits der Band und drei neue Songs finden sich darauf nämlich – und hier wird es auch für Alt-Fans interessant – in völlig neu arrangierten, orchestralen Akustikversionen.

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