Lex Legion – Lex Legion

King Diamond ohne King Diamond – so könnte man die Heavy-Metal-Newcomer von Lex Legion mit einem Augenzwinkern beschreiben. Die Band setzt sich nämlich zu vier Fünfteln aus King Diamonds Begleitband Ende der 1980er Jahre zusammen. Neben den legendären Namen Andy LaRocque und Mikkey Dee gehören auch Pete Blakk und Hal Patino zur neuen Band. Den Gesang hat mit Nils K. Rue (Pagan’s Mind, Ex-Eidolon) ein weiterer Hochkaräter übernommen, sodass es sich hier um eine echte All-Star-Band handelt. Dass das skandinavisch/US-amerikanische Quintett sich düster angehauchtem Heavy Metal mit leichter US-Metal-Schlagseite verschrieben hat, ist angesichts des Line-ups wenig verwunderlich. Fraglich ist eher, ob das Material des Debütalbums „Lex Legion“ den hohen Erwartungen gerecht werden kann – oder ob hier nur alter Ruhm aufgewärmt wird.
Um es vorwegzunehmen: Der Einstieg in das Album gerät zu einem echten Triumphzug. Das bärenstarke Eröffnungstrio, bestehend aus „Sleep Eternally“, „Gypsy Tears“ und „When The Stars Align“, macht sofort klar, wo der Hammer hängt. Die Songs sind klassisch, geradlinig und unheimlich druckvoll konstruiert, ohne sich in übertriebener Komplexität zu verlieren. Herausragend ist dabei die Performance von Nils K. Rue: In manchen Passagen blitzt die unheimliche Atmosphäre und die Phrasierung auf, die man sonst nur vom King persönlich kennt. Doch Rue verfällt nie in eine zwanghafte, bloße Kopie. Er besitzt viel zu viel eigenes Format und eine unverkennbare stimmliche Identität, wodurch er den Nummern einen ganz eigenen, frischen Stempel aufdrückt.
Dass hier eine eingespielte Einheit am Werk ist, hört man in jeder Sekunde. Das Zusammenspiel der legendären Rhythmusfraktion aus Mikkey Dee und Hal Patino pumpt unbarmherzig, während das Gitarrenduo Andy LaRocque und Pete Blakk gewohnt filigrane Riffs und messerscharfe Soli abfeuert. Einzig beim Songwriting schleppt sich das Album phasenweise etwas zu sehr durch das Midtempo, was auf Dauer zu einer leichten Gleichförmigkeit führt. Für die nötige Abwechslung sorgen jedoch zwei gezielte Ausreißer: Die Uptempo-Abrissbirne „Darkness“ tritt das Gaspedal ordentlich durch, und die instrumentale Abschlussballade „Far Away“ entlässt den Hörer mit einer überraschend emotionalen Note.
So bleibt abschließend nur festzustellen, dass die anfängliche Skepsis schon nach dem ersten Hören des Albums verflogen ist, denn Lex Legion werden den hohen Erwartungen definitiv gerecht. Auch wenn das Quintett keinen bahnbrechenden neuen Klassiker der Güteklasse „Abigail“ oder „Conspiracy“ abgeliefert hat – was ehrlicherweise auch zu viel der Hoffnung gewesen wäre –, handelt es sich unter dem Strich um ein richtig starkes Heavy-Metal-Album traditioneller Schule. Die Produktion besitzt ordentlich Druck und verpasst den Songs die nötige Durchschlagskraft. Damit beweisen die Helden von früher eindrucksvoll, dass sie mit heutigen Genre-Größen wie Them, Portrait oder Attic nicht nur problemlos mithalten, sondern diese stellenweise sogar toppen können. Wer diese düstere, klassische Stilrichtung mag, macht mit „Lex Legion“ definitiv absolut nichts verkehrt.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 12.06.2026
Erhältlich über: MNRK Records (SPV)
Facebook: www.facebook.com/OfficialLexLegion
