The Bobby Lees – New Self

Das Banddasein kann eine ziemlich teure, undankbare Angelegenheit sein. Für The Bobby Lees war dies Ende 2023 Anlass, eine Pause auf unbestimmte Zeit bekanntzugeben. Wirtschaftlicher Druck und die Herausforderungen des Tourens inmitten aller Unsicherheiten wurden als Gründe genannt. Was folgte, war eine Welle der Solidarität. Unter anderem bot ‚Aquaman‘ Jason Momoa höchstpersönlich an, eine neue Platte zu finanzieren. Nun ist das US-Trio tatsächlich zurück, konnte sämtliche Energie in die kreative Seite der Band stecken und kam zudem bei Epitaph unter. „New Self“ ist ihr nunmehr viertes Studioalbum.
Einmal mehr steht Qualität ganz weit über Quantität – acht Songs, etwas über 20 Minuten, möglichst laut aufdrehen. Mit dieser Energie legt die Band aus Woodstock, New York furios los. „Give“ lebt von seinem verspielten Drum-Intro, das Macky Bowman in eine Art Punk-Loop verwandelt, bevor der wütende Bass von Kendall Wind einsetzt. Bevor man jedoch komplett in Richtung Post Punk steuert, spuckt Sam Quartin gewohnt pointierte Zeilen aus und holt eine noisige Gitarre hinzu – so schroff und giftig wie möglich. Das sprunghafte „50 Ft“ lässt die Rhythmusabteilung weite Teile alleine bestreiten, der Dampfhammer kommt erst spät und unerwartet. Geht das als Art Punk durch? Ist das Noise Rock?
Es ist The Bobby Lees in Reinkultur, denn um Schubladen schert sich das US-Trio weiterhin nicht. So fällt das viereinhalbminütige Epos „All I Got“ gleichermaßen grantig und sanftmütig aus, erinnert in den Strophen an balladeske Wave-Auswüchse, bevor skandierte Verrenkungen imaginäre Barrikaden einreißen. Diese überspringt „Napoleon“ nicht etwa, sondern zerschellt mit voller Absicht daran. Wie hier einfach draufgehalten wird, während wechselsweise Horror-Punk- und Garage-Rock-Riffs das Geschehen torpedieren, macht Laune. Das hektische, annähernd tanzbare „Red Hot“ zerlegt den Punk der Kunstschulstudenten schließlich mit der Axt.
„New Self“ ist starker Tobak, von der ersten bis zur letzten Minute. The Bobby Lees kotzen sich aus und heben letzte imaginäre Grenzen mit wachsender Begeisterung auf, zerlegen Scheuklappen und nehmen Punk und Rock gerne mal als reinen Ansporn für gleichermaßen kauzige wie eindringliche Musik. Das erinnert stellenweise an die Anfänge diverser Hardcore-Punk-Urväter, dockt später bei britischen Post-Punk-Käuzchen an und holt immer wieder wütende, noisige Riffs hinzu, nur um letzte Strukturen geschickt aufzubrechen. 20 actionreiche Minuten unterstreichen die Qualität von The Bobby Lees und machen die lautstarke Solidaritätswelle vor ein paar Jahren mehr als verständlich.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 12.06.2026
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)
Website: www.thebobbylees.com
Facebook: www.facebook.com/TheBobbyLees
