Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Shybits

Shybits – Body Lotion

Eine EP und ein paar Singles reichten 2018 aus, um einen Mini-Hype auszulösen: Shybits supporteten unter anderem Art Brut, Turnover und Razz, waren mit ihrem schmissigen Mix aus Indie, Alternative, Post Punk und Britpop schnell in aller Munde. Das internationale Trio – Sänger und Gitarrist Liam stammt aus Großbritannien, Bassist Pietro aus Italien und Schlagzeugerin Meghan aus Südafrika – ist mittlerweile in Berlin ansässig und tüfelt seither am eigenen Sound. Nun gibt es die sympathischen, schmissigen Täne der Shybits endlich im Albumformat: „Body Lotion“ macht genau da weiter, wo die bisherigen Kleinformate aufgehört haben.

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Velvet Volume

Velvet Volume – Nest

Jene drei Schwestern, die einst auszogen, um mit kantigen Riffs für Furore zu sorgen, gibt es nicht mehr. Wobei, so ganz stimmt das nicht: Velvet Volume gibt es weiterhin, die drei Schwestern Noa, Naomi und Nataja Lachmi gibt es weiterhin. Bloß der Sound, der bemüht sich nun um weitestgehend ruhigere Klänge. Die Däninnen wollten sich mit deutlich persönlicheren Themen auseinandersetzen, mit dem Heranwachsen zwischen Kulturen, mit Natur, mit Mystik, mit Melancholie und Angst. Entsprechend zeigt sich „Nest“ von einer insgesamt deutlich poppigeren Seite, und das ist nur einer von vielen Ankerpunkten.

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Goodbye June

Goodbye June – See Where The Night Goes

Verstärker raufdrehen und durchstarten: Nach zwei miesen Jahren wollen Goodbye June endlich wieder feiern, und wer kann es ihnen verübeln? Neben der Pandemie sorgte der verheerende Nashville-Tornado im Jahr 2020 für den Drang, sich endlich aus dem Tief zu befreien. War „Community Inn“ bereits ein mächtiges Rock-Statement, so drückt das US-Trio nun so richtig auf die Tube. „See Where The Night Goes“ stürzt sich kopfüber in eine wilde Nacht und lässt sich treiben. Bluesiger Hard Rock mit Southern-Einflüssen bleibt das kraftvolle Steckenpferd der drei Cousins.

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Khruangbin & Leon Bridges

Khruangbin & Leon Bridges – Texas Moon

Die erste Zusammenkunft von Khruangbin und Leon Bridges war ein voller Erfolg: „Texas Sun“ festigte eine auf Tour entstandene Freundschaft in vier entspannten und zugleich mitreißenden Kapiteln, die den Sound beider Parteien maßgeblich beeinflusste. Es gibt allerdings noch mehr Material, teils zu Beginn der Sessions, teils mit Verspätung fertiggestellt. Bridges nennt das Ergebnis introspektiver, für Khruangbin-Bassistin Laura Lee fühlt es sich nächtlicher an. Entsprechend heißt diese zweite gemeinsame EP „Texas Moon“.

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Salvation Jayne

Salvation Jayne – A Mouthful Of Magnificent Spite

Eine der interessantesten britischen Newcomer-Bands der jüngeren Vergangenheit wagt sich endlich an ihr erstes Album. Seit zwei Jahren veröffentlicht das Quintett knackige Alternative-Rock-Singles zwischen wuchtiger Heavyness, dicken Melodien und klaren Ansagen. Narzissten, Kontrollfreaks, Manipulatoren und toxische Beziehungen werden von den Musiker*innen mit Anlauf ins Visier genommen, begleitet von deutlichem Mental-Health-Fokus. Dazu passt auch der Titel des Debüts: „A Mouthful Of Magnificent Spite“ hält gleich mehrere Spiegel vor.

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alt-J

alt-J – The Dream

Fünf Jahre. Fünf lange Jahre sind seit „Relaxer“ vergangen, auf dem sich alt-J neu zu orientieren versuchten, ihre Dekonstruktion konsequent vorantrieben. Die Suche nach der perfekten Form des musikalischen Ausdrucks setzt sich fort, wenngleich es nach dem mittelprächtigen Vorgänger doch etwas aufzuholen gäbe. „The Dream“ holte sich Inspiration von wahren Geschichten aus Hollywood, aus dem persönlichen Umfeld, von Intrigen und Menschlichkeit. Der Sound, so die vollmundige Ansage, sei reifer geworden, es gehe nun um Songwriting und Präzision, ohne den Wahnsinn der ersten Werke komplett ad acta zu legen.

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Zeal & Ardor

Zeal & Ardor – Zeal & Ardor

Aus der einstmals schrägen Idee, Black Metal mit Gospel zu kombinieren, wurde inzwischen eines der heißesten Avantgarde-Metal-Eisen der jüngeren Vergangenheit. Als Zeal & Ardor denkt Manuel Gagneux Geschichte neu und bringt zusammen, was eigentlich nicht zusammenpassen dürfte. Auf den beiden bisherigen Alben sowie einer zuletzt recht politischen EP wurde die Verschränkung dieser Gegenteile immer weiter vorangetrieben. Das schlicht „Zeal & Ardor“ betitelte neue Werk soll musikalisch nun endlich dort sein, wo Gagneux schon immer hinwollte.

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Go Go Gazelle

Go Go Gazelle – Instinkte

Dämmerschlaf? Nicht mit Go Go Gazelle! Ihren Erstling veröffentlichten die Augsburger am Anfang der Pandemie, mit den erhofften Live-Aktivitäten ging leider nicht ganz so viel. Während die Kulturszene kämpft, schloss sich das Trio im Proberaum ein, um Negativschlagzeilen mit schmissiger Kreativität zu begegnen. „Instinkte“ denkt den Punk-, Indie- und Folk-Ansatz mit Elan weiter, wagt musikalisch noch etwas mehr und schreibt weiterhin kleine Hits, die förmlich nach der Bühne schreien. Und das wird auch irgendwann wieder passieren.

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Johnossi

Johnossi – Mad Gone Wild

Ein alter Bekannter meldet sich im Hause Johnossi zurück. Die Roscoe-Figur tauchte erstmals auf der „Mavericks“-Platte auf, erhielt sogar eine eigene Comicserie. Mittlerweile wandelt er an der Grenze zum Wahnsinn mit einem wilden, chaotischen Nachtleben und schwerer Reue am Tag. Das schwedische Duo entschied sich kurzerhand, ihr siebtes Album zu einem Konzeptwerk zu machen. Mehr noch, „Mad Gone Wild“ versteht sich als Thriller, der den zunehmenden Absturz eines alten Bekannten begleitet und es dabei dem Publikum überlässt, eigene Schlüsse zu ziehen.

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Black Country, New Road

Black Country, New Road – Ants From Up There

Anfang 2021 waren Black Country, New Road plötzlich in aller Munde. Der Art-Kollektiv lebte mit seinem Album-Einstand „For The First Time“ den kunstvollen Wahnsinn der Alternative-Rock-Möglichkeiten vor, wiewohl der Begriff bestenfalls eine sehr ungefähre Orientierungshilfe darstellt. Stilistische Pluralität, unheimlich Bock auf Experimente und die Dynamik eines spielfreudigen Septetts machten den Live-Hype zum Studio-Leckerbissen. Höchstbewertungen und sogar eine Mercury-Prize-Nominierung waren die logische Folge. Fast auf den Tag genau ein Jahr später landet der Nachfolger „Ants From Up There“. Ein Schnellschuss?

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