Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.

Anti-Flag – Toast To Freedom

Am 31. Juli 2012 spielten Anti-Flag ein Benefiz-Konzert für die seinerzeit inhaftierten Pussy Riot-Mitglieder Nadezhda Tolokonnikova, Maria Alyok Hina und Yekatherina Samutsevich. Unter anderem anwesend: Jochen Willms, langjähriger Freund und Weggefährte von „Art For Amnesty International“-Gründer Bill Shipsey. Gemeinsam wollte man sich Luft machen, Wut und Unverständnis zum Ausdruck bringen. Nur drei Monate später fand man sich im Studio wieder, um gemeinsamen mit einigen Freunden eine Cover-Version von „Toast To Freedom“ aufzunehmen – jenem Song von Carl Carlton und Larry Campbell, der zum 50jährigen Jubiläum von Amnesty International geschrieben und ursprünglich von so unterschiedlichen Künstlern wie Marianne Faithful, Kris Kristofferson, Gentleman und Ewan McGregor dargeboten wurde.

Weiterlesen

King Krule – Octopus

Zwar hat es nicht für die Top 5 gereicht, doch eine Platzierung auf der „BBC Sound of 2013“-Longlist ist für King Krule als großer Erfolg zu werten. Der 18jährige Archy Marshall aus Großbritannien zählt zu den großen Hoffnungsträgern des noch jungen Jahres. Als Youngster mit einem Faible für Fela Kuti, Django Reinhardt und Chet Baker wuchs er mit seiner E-Gitarre in der Hand auf, ist irgendwo im musikalischen Dunstkreis von Jamie T anzutreffen. Noch im vergangenen Jahr erschien „Rock Bottom“ und „Octopus“ als Doppel-A-Single. Letzterer Track erhält nun ein eigenes Download-Bundle.

Weiterlesen

Ben Harper with Charlie Musselwhite – Get Up!

1997 lernten sich Ben Harper und Mundharmonika-Spieler Charlie Musselwhite – angeblich Dan Akroyds Inspiration für die Elwood Blues-Figur der Blues Brothers – im Rahmen einer Aufnahmesession mit dem legendären John Lee Hooker kennen. Man freundete sich an und plante, eines Tages gemeinsame Sache zu machen. 16 Jahre später erscheint nun „Get Up!“, ein kollaboratives Blues-Album des Duos, das mit Unterstützung von Harpers Band eingespielt wurde. Im Vordergrund steht natürlich Musselwhites ikonische Mundharmonika sowie der Gesang und das Gitarrenspiel seines deutlich jüngeren Kollegens.

Weiterlesen

Jimi Hendrix – Somewhere

Obwohl Jimi Hendrix, der im vergangenen November seinen 70. Geburtstag gefeiert hätte, bereits seit mehr als 40 Jahren tot ist, findet sich immer wieder (vermeintlich) unveröffentlichtes Material, aus dem man ein neues Album zimmern kann. Nach dem guten „Valleys Of Neptune“ vor drei Jahren steht für Anfang März „People, Hell & Angels“ in den Startlöchern, das Hendrix‘ Post-Experience-Sessions mit den damals beteiligten Musikern auf einem Silberling vereinen soll. Mit anderen Worten: die Songs kennt man, wohl aber nicht in diesen angedachten Original-Versionen. Vorab erscheint „Somewhere“ als 2-Track-Single.

Weiterlesen

Sir Sly – Ghost

Gestatten, Sir Sly, ein Trio aus Los Angeles, beliebt bei diversen Hipster-Blogs und als Mischung aus Coldplay und Maroon 5 beschrieben. Das klingt erst einmal seltsam, vielleicht sogar abschreckend, doch es wird bekanntermaßen nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Dabei ist der Sound von Landon Jacobs, Jason Suwito und Hayden Copien eine spannende Angelegenheit, entpuppt sich als entspannte Popmusik mit stark elektronischem Einschlag, ein wenig Indie-Attitüde und einem Hauch von Gitarren. Bei National Anthem, das unter anderem auch Heimat für die „BBC Sound of 2013“-Gewinner Haim war, erscheint ihre erste Single „Ghost“.

Weiterlesen

Delphic – Baiya

Mit ihrer eingängigen Mischung aus Indie Rock und Electro-Klängen überzeugten Delphic nicht nur Kritiker, in UK verkaufte sich ihr Debütalbum „Acolyte“ in die Top 10, während es hierzulande – keine Verwunderung – bestenfalls verhalten lief. Seit dem Release sind ziemlich genau drei Jahre vergangen, die unter anderem mit der Veröffentlichung von „Good Life“, einer von fünf offiziellen Singles zu den Olympischen Sommerspielen in London, gefüllt wurde. Für das zweite Album „Collections“ gestaltet sich der Sound nun offener: weniger Rock, mehr Electro, dazu ein wenig RnB und House. Zeitlich erscheint „Baiya“ als Download-Single.

Weiterlesen

The Virginmarys – King Of Conflict

Gute Gitarrenmusik braucht keine Gimmicks, keine Hochglanz-Produktion, keine ausladenden Arrangements – sie muss von Herzen kommen und gepflegt ins Sitzfleisch treten. The Virginmarys haben diesen ‚Berufsethos‘ offenbar mit der Muttermilch aufgesogen. Das Trio aus Macclesfield, einer Satellitenstadt Manchesters, wenn man so will, trat unter anderem bereits mit Slash, We Are Scientists und Ash auf, verkaufte seine EPs im Eigenvertrieb und war sogar im Frühstücksfernsehen und auf dem Soundtrack eines Computerspiels vertreten. Dass ihr herzhafter Rock’n’Roll für größere Dinge bestimmt ist, wird beim Durchhören ihres Debütalbums „King Of Conflict“ klar.

Weiterlesen

New Found Land – Mirror

Es ist ja nicht so, dass Anna Roxenholt eine gänzlich Unbekannte wäre. Ihr deutsch-schwedisches Bandprojekt New Found Land durfte sich über nationale Radio-Rotation freuen, einige Songs schafften es auch auf den Soundtrack diverser US-amerikanischer Serien und Filme. Nun aber der Schnitt: „New Found Land war immer mein Projekt“, realisierte die Schwedin, und trennte sich von ihren Mitstreitern, darunter auch ihr Ehemann, was letztlich die private Beziehung der beiden gerettet haben soll. Am 1. März erscheint der Alleingang, programmatisch „New Found Land“ betitelt. Dass Roxenholt immer noch on top of her game ist, zeigt die Vorabsingle „Mirror“.

Weiterlesen

Tocotronic – Wie wir leben wollen

Nach dem Abschluss der Berlin-Trilogie in Form von „Schall & Wahn“ war für Tocotronic die Zeit gekommen, ein neues Kapitel in der illustren Bandgeschichte – man begeht aktuell das 20jährige Jubiläum – aufzuschlagen. Erneut arbeitete man mit Produzent Moses Schneider auf analogem Equipment und entdeckte eine alte Vier-Spur-Maschine, wie sie einst in den legendären Abbey Road Studios verwendet wurde. Passend dazu beschäftigte sich Schneider im Vorfeld der Aufnahmen mit dem Buch „Recording The Beatles“, in dem die Aufnahmetricks der Sound-Engineers enthüllt wurden. Freilich klingt „Wie wir leben wollen“ nicht nach den Beatles, wohl aber nach einer unverschämt hypnotisierenden Mischung aus Dream-Pop, Shoegaze und einer Prise Psychedelica.

Weiterlesen

Patrick Richardt – So, wie nach Kriegen

Als Tour-Support von Thees Uhlmanns Soloexkurs ist der Name Patrick Richardt so manchem Konzertbesucher bereits einigermaßen geläufig. Das neue Grand Hotel van Cleef-Signing spielte seinem prominenten Chef und Mitreisenden an einem Abend einige Demos seines geplanten Albums vor und bat um Verbesserungsvorschläge. Verändert wurde daran kaum etwas, Uhlmann selbst war davon begeistert und trieb die Aufnahmen von Richardts Debüt voran. „So, wie nach Kriegen“ heißt die Platte, die klassischen Singer/Songwriter-Sound auf Indie Pop/Rock mit beseelten Untertönen treffen lässt. Man stelle sich vor, Gisbert zu Knyphausen und Max Prosa würden sich ein Tag-Match mit Thees und Conor Oberst liefern.

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies. Cool?