Schlagwort: Art Rock

Ghostwoman

Ghostwoman – Welcome To The Civilized World

Erst veröffentlichten sie drei Alben binnen 18 Monaten, dann dauerte es annähernd zwei Jahre bis zum vierten Streich: unorthodox ist bei Ghostwoman Standard, inklusive neuer Schreibweise des Bandnamens. Und einer gesunden Portion Nihilismus, denn das Duo weiß um die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens, Musik zu machen. Schließlich ist die Welt dem Untergang geweiht, und Evan Uschenko und Ille van Dessel geben die Band auf der Titanic, die während dem unaufhaltbaren Versinken weiterspielt. Entsprechend wurde „Welcome To The Civilized World“ einfach nur gemacht, weil man es konnte. Weil es eh schon egal ist. Ein Prosit der vergänglichen Gemütlichkeit.

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Boko Yout

Boko Yout – Gusto

Ein Album als Form der Selbsttherapie, um die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verarbeiten: Boko Yout verlangt seinem Full-Length-Einstand einiges ab. Aufgewachsen in Schweden, der Vater aus Togo, die Mutter aus Mosambik, dazu der überdimensionale Schatten der Evangelisch-Freikirchlichen Kirche für eine queere Person, die mit der eigenen Sexualität und Identität ringt – es hatte sich, gelinde gesagt, einiges aufgestaut. Und doch gilt Yout als eine der heißesten Aktien des Musiklandes, für diverse (Newcomer-)Preise nominiert, seine beiden EPs und die diversen Singles abgefeiert. Seinen Sound nennt er augenzwinkernd ‚Afro-Grunge‘ und liegt damit gar nicht mal so weit daneben. „Gusto“ befasst sich aber nicht nur mit den Kämpfen und Gräben der Jugend.

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The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die

The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die – Dreams Of Being Dust

Die Mission, dem epochalen „Illusory Walls“ einen gebührenden Nachfolger zu stiften, darf gut und gerne als gewaltige Herausforderung bezeichnet werden. The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die verzichten darauf, einfach ’nur‘ nachzulegen, und wagen stattdessen etwas. Einerseits ist das US-Sextett politischer denn je unterwegs, andererseits wurde der Härtegrad spürbar nach oben geschraubt, ohne jedoch alles über den sprichwörtlichen Haufen zu werfen. Somit ist „Dreams Of Being Dust“ Neustart, Weiterentwicklung und Zäsur in einem, und das auf verdammt starke Weise.

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Pile

Pile – Sunshine And Balance Beams

Bei Pile weiß man nie so genau, was man bekommt, und das trägt letztlich ungemein zum Reiz dieser Band bei. Der einstige Solo-Schauplatz von Rick Maguire häutet sich seit dem ersten, vor nunmehr 18 Jahren veröffentlichen Album mit wunderbarer Regelmäßigkeit, mag seine Experimente ebenso wie den nahezu konstanten Paradigmenwechsel. „Sunshine And Balance Beams“, das mittlerweile neunte Studioalbum und zugleich Einstand für Sooper Records, versucht gleich mehrere Konzepte auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Es geht um das Streben nach Glück, den Einklang mit der Natur und dem Selbst, und den Ausdruck von Haltung in einer kommerziell geprägten Gesellschaft.

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Pulp

Pulp – More

Eigentlich hatte man sie, zumindest auf Studioebene, schon weitestgehend abgeschrieben. Und doch sind Pulp aktuell mit ihrem ersten Album seit 24 Jahren unterwegs. Zwei Todesfälle – Steve Mackey, langjähriger Bassist ab den späten 80ern, und Jarvis Cockers Mutter – schärften das Bewusstsen, dass man doch selbst noch etwas erschaffen kann (und soll), bevor es zu spät ist. Und so verschanzte sich Cocker mit den langjährigen Wegbegleitern Mark Webber, Nick Banks und Candida Doyle sowie ihren Tour-Musikern im Studio, um doch wieder eine Platte aufzunehmen. „More“ verbindet teils komplett neue Songs und teils Ideen, die seit fast drei Jahrzehnten umherschwirren.

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Car Seat Headrest

Car Seat Headrest – The Scholars

Willkommen auf der Parnassus-Universität! Für lineare Vorhersehbarkeit hatten Car Seat Headrest so und so noch nie viel über, auch nicht zu den Anfängen als Soloprojekt von Will Toledo. Ihr neues Werk, das erste seit fünf Jahren, befasst sich dennoch mit selbst für die Band anspruchsvoller XXL-Konzeptkunst. Unter anderem inspiriert von der überraschenden Verjüngung ihres Publikums, als es nach den ersten Lockdowns zurück auf die Bühne ging, findet sich „The Scholas“ auf dem Campus der eingangs erwähnten fiktien Lehranstalt wieder und präsentiert eine zweiteilige, von Rock-Opern und Konzeptalben, von Shakespeare und Mozart inspirierte Erzählung – erst von den Studierenen getragen, dann vom Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Aufbruch.

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Viagra Boys

Viagra Boys – viagr aboys

Der Sarkasmus. Die Satire. Der Mittelfinger. Mit ihren bewohnt bizarren Frontalattacken reiten die Viagra Boys eine Attacke auf die Vernunft nach der nächsten. Dieses Mal wollten sie sich von allzu viel Politischem bewusst distanzieren und den Blick wieder ein wenig breiter ausrichten, ohne auf die geradezu erdrückende Ironie zu verzichten. Und so landet nun „viagr aboys“, das Sänger Sebastian Murphy gewohnt selbstironisch und beißend auf den Punkt bringt: „Unser neues Album ist fast selbstbetitelt, nur noch ein bisschen einfacher und dümmer – so, wie ich eben bin.“ Und doch geht das nicht einmal als ein Viertel der Wahrheit durch.

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Index For Working Musik

Index For Working Musik – Which Direction Goes The Beam

Was ist Post Punk eigentlich? Wie viel kann ein bewusst sehr offen gehaltenes Genre ‚ertragen‘? Index For Working Musik stellen diese Fragen vielleicht nicht direkt, versuchen sie jedoch mit ihrer Musik so einigermaßen zu beantworten. Das Quintett aus London reißt vermeintliche Limitierungen auf kunstvolle Weise ein und betrachtet deren längst gänzlich zersplitterten Urformen mit einem breiten Grinsen. War der Erstling noch von Ambient-Versuchen und düsterer Lautmalerei bestimmt, so findet „Which Direction Goes The Beam“ sehr langsam – und alles andere als sicher – zu so etwas wie dem Songformat.

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Sam Akpro

Sam Akpro – Evenfall

Warum sollte man Musik in Schubladen drängen, wenn man doch einfach verschiedenste Ideen und Ansätze frei miteinander kombinieren kann? Nach diesem Prinzip arrangiert Sam Akpro seine Songs. Der Südlondoner spielt mit Stimmungen, liebt Noir-Atmosphäre und findet Eingängigkeit selbst in ruppigen Gefilden. Zwischen sonnigen Tagen und kalten Nächten, zwischen Entfremdung und großem Wiedersehen spielt sich das erste komplette Album „Evenfall“ ab – wenig überraschend eine weitere kleine musikalische Häutung mit frischem Wind und alten Wunden, die wieder und wieder gekonnt zusammenfinden.

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Squid

Squid – Cowards

Es ist das Ergebnis harter Arbeit und zugleich ihr bislang bestes Album: Squid zeigen sich im Vorfeld ihrer dritten Platte euphorisch, und das ist kein Wunder, tragen sie das Material doch schon lange mit sich herum. Im Großen und Ganzen war der Stoff bereits aufgenommen und abgeschlossen, als „O Monolith“ im Sommer 2023 erschienen war. Auf Tour überlegte man sich neue Feinheiten, holte sich allerlei Gäste ins Studio, um neue Instrumente und Ideen zu verwirklichen, und fügte den kniffligen Fleckerlteppich schließlich zusammen. „Cowards“ zeigt eine eingespielte Band, die geradezu blindes musikalisches Verständnis für eine erneute imposante Evolution heranzieht.

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