Pile – Sunshine And Balance Beams

Bei Pile weiß man nie so genau, was man bekommt, und das trägt letztlich ungemein zum Reiz dieser Band bei. Der einstige Solo-Schauplatz von Rick Maguire häutet sich seit dem ersten, vor nunmehr 18 Jahren veröffentlichen Album mit wunderbarer Regelmäßigkeit, mag seine Experimente ebenso wie den nahezu konstanten Paradigmenwechsel. „Sunshine And Balance Beams“, das mittlerweile neunte Studioalbum und zugleich Einstand für Sooper Records, versucht gleich mehrere Konzepte auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Es geht um das Streben nach Glück, den Einklang mit der Natur und dem Selbst, und den Ausdruck von Haltung in einer kommerziell geprägten Gesellschaft.
Ein Song wie „Bouncing In Blue“, der das System als Falle betrachtet und diesem zu entkommen versucht, kann die versammelten Eigentümlichkeiten tatsächlich halbwegs bündeln. Dabei scheinen Pile erst einmal auf der Stelle zu treten – ein Trugschluss, wie sich schnell zeigt, denn der Post-Rock-Aufbau ist letztlich Sprungbrett für einen kunstvollen, noisigen Track, der wunderschöne Melodien durch entstelltes, verzerrtes Chaos jagt und in seinen Schleifen immer lauter, hektischer wird. Ob die Freiheit erreicht wird? „An Opening“ sucht ein solches in der Hoffnung auf künstlerische Entfaltung und geht drei Minuten lang forsch nach vorne, etwas an frühere Post-Hardcore-Großtaten erinnernd.
„Meanwhile Outside“, der nicht enden wollende Gigant von über acht Minuten Spielzeit, sieht das Ende einer Geschichte durch die unausweichliche Finalität des Seins herbeiziehen. Fast unmerklich ziehen Pile eine imaginäre Schlinge enger, lassen das Arrangement immer wütender aufbranden und fühlen sich doch in den zunehmend schrägen Zwischentönen wohl, in der ellenlangen Zäsur und dem gigantischen XXL-Finale. Hingegen zeigt sich „Deep Clay“ ab der ersten Sekunde betont unrund, nähert sich der Übersteuerung und schüttelt doch so etwas wie eine packende Melodie aus dem Ärmel, die mit dem obligatorischen Raubein-Chaos um die Vormachtstellung ringt … bis sich letztlich doch alle Schleusen weit öffnen.
Pile erwischen nicht einfach nur auf dem falschen Fuß, sondern erkennen, dass es eigentlich keinen richtigen geben kann – weder im Leben noch in der Musik. Stattdessen geben sie sich so nervös und sprunghaft wie lange nicht, was für die Band natürlich einiges heißt. „Sunshine And Balance Beams“ ist dennoch ein bezauberndes, mitreißendes Album geworden, voller cleverer Melodien und manch einem himmlischen Moment. Aber auch schroff, abweisend, kratzbürstig und so schwierig wie nur menschenmöglich. Das passt zum Kontext der Platte und dieser Zeit, in jeder erdenklicher Hinsicht. Bekömmlich abstoßende Unvorhersehbarkeit lässt magische Ideen weiter anschwellen – ein auf beste und wichtigste Weise schwieriges, faszinierendes Album.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 15.08.2025
Erhältlich über: Sooper Records (Cargo Records)
Website: pilemusic.com
Facebook: www.facebook.com/pileof
