Schiller – Sehnsucht Live

Schiller live ist ein Erlebnis. Das konnte Mastermind Christopher von Deylen auf der erst vor wenigen Tagen offiziell beendeten Tour wieder einmal eindrucksvoll beweisen. „Sehnsucht Live” führte ihn in den letzten Monaten samt Band und Gastsängerinnen durch ganz Deutschland. Wer trotz der zahlreichen Termine nicht persönlich dabei sein konnte oder das Spektakel noch einmal Revue passieren lassen möchte, bekommt mit der brandneuen „Sehnsucht Live”-Doppel-DVD bzw. Doppel-CD das Rundum-Sorglos-Paket für den Konzertgenuss in den heimischen vier Wänden.

Die Doppel-DVD: Im Mittelpunkt der „Sehnsucht Live”-DVD steht das im ausverkauften Kölner Palladium aufgezeichnete Konzert. Bevor DVD 1 jedoch mit dem eigentlichen Gig beginnt, gewährt der Kurzfilm „Acht Minuten” von Regisseur Philip Glaser Einblicke hinter die Kulissen und begleitet die Crew bei den Konzertvorbereitungen bis zum Gang auf die Bühne. Dort angekommen geht es mit dem Titeltrack „Sehnsucht” los. Ohne Xavier Naidoo, wobei man ihn angesichts des starken Instrumentals auch nicht vermisst. Als erste Vokalistin betritt Jette von Roth die Bühne – zugegebenermaßen ein wenig hölzern, aber charismatisch. Sie stimmt ihren Hit „Der Tag” sowie den geheimnisvollen Albumtrack „Black” an, der live sogar noch um einiges stärker als in der Studioversion klingt. Zwischen weitere instrumentalen Stücken gibt es Gastauftritte von Schauspieler Ben Becker („Nacht”) und Publikumsliebling Kim Sanders („Forever”) zu bestaunen. „Denn wer liebt” sorgt wenig später mit einer Cello-Einlage für Gänsehaut, bevor eine komplett neu arrangierte Version des Schiller-Debüts „Das Glockenspiel” die Fans endgültig zum Toben bringt. Mit zarteren Tönen verzaubert hingegen Jaël von der Schweizer Band Lunik: Neben „Tired” präsentiert sie auch das ruhige, bislang unveröffentlichte „I Need You”. Schwedens Dance-Durchstarterin September performt das kraftvolle „Breathe” und ist zweifelsohne ein echter Hingucker. Auch Jette von Roth, Ben Becker und die reizende Kim Sanders treten erneut auf und heizen den Fans u. a. mit „In The Dark”, „Vor der Zeit” und der Hymne „Let Me Love You” ein. Für eine ausgewogene Mischung sorgen Klassiker wie „Ein schöner Tag” sowie die Zugaben „Dream Of You” (als Instrumental) und „Ruhe”, die zum Schluss auch noch dem letzten Zweifler bestätigen, dass Schillers elektronische Musik auch live mit einer richtigen Band wunderbar funktioniert. Das Repertoire ist durchdacht, der kristallklare Surround-Sound und die zwölf Kameras fangen die Live-Atmosphäre perfekt ein.

DVD 2 überzeugt mit allerlei Zusatzmaterial: Höhepunkt ist die halbstündige Dokumentation „Sommer der Sehnsucht” von Marcus Sternberg, die Interviews mit Christopher von Deylen, seinen Musikern und Sängerinnen, aber auch mit Konzertbesuchern zeigt. Desweiteren gibt es gelöschte, aber sehenswerte Szenen (Ben Becker liest z. B. aus dem Johannesevangelium), fünf zum Teil nie gezeigte Videoclips, Making-ofs, seltene TV-Auftritte und vieles mehr zu sehen, das die Fanherzen höher schlagen lassen wird. Mit einer Gesamtspielzeit von satten 260 Minuten ist die „Sehnsucht Live”-Doppel-DVD wirklich ihr Geld wert. Dass das Package im aufwändigen Hard-Cover mit umfangreichem Booklet erscheint, gehört bei Schiller ja beinahe schon zum Standard.

Die Doppel-CD: Parallel zur DVD erscheint „Sehnsucht Live” auch als Audio-Doppel-CD. Sie enthält jedoch nicht einfach den Mitschnitt des Köln-Gigs, sondern die Highlights aus den verschiedenen Städten. „Sehnsucht” aus Stuttgart, „Black” aus Leipzig, „Tired” aus Hamburg, um nur einige zu nennen. Leider fehlen die starken Livefassungen der Klassiker wie „Das Glockenspiel” oder „Ruhe”, die drei einmalig improvisierten Instrumentalstücke sind zwar eine nette Idee, unterm Strich aber eher blass und verzichtbar. Schade auch, dass die teilweise recht abrupten Fade-Outs keine wirkliche Livestimmung aufkommen lassen.

CD 2 enthält neben den Singles „You” und „Time For Dreams” u. a. die Instrumentalversionen von „Ile Aye” und „Everything”, das in Zusammenarbeit mit dem Electropop-Act Bernstein entstandene „Heaven” (klingt ein wenig nach Schiller mit Heppner), zwei rare Schiller-Remixes sowie das ungekürzte, mit seinen über 32 (!) Minuten jedoch auch ein wenig langatmige Stück „Zenit” mit Elektro-Urgestein Klaus Schulze. Fazit: Für Fans ist die Doppel-CD sicherlich eine willkommene Zugabe, wer jedoch die Live-Atmosphäre eines Schiller-Konzerts erleben möchte, ist mit den DVDs wesentlich besser bedient. Hier wird wirklich das volle Programm geboten.

VÖ: 31.10.2008
Universal Music
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