Curtis Harding – Departures & Arrivals: Adventures Of Captain Curt

Curtis Harding bleibt seiner Heimat nur ungern fern. Sehnsucht und Unbehagen begleiten seine (Tour-)Reisen – und das geht sicher nicht nur ihm so. Aus diesen Überlegungen entstand eine Space Opera über eine Figur, die sich im Weltraum verirrt und auf ihren Reisen durch verschiedene Galaxien und Dimensionen den Weg nachhause sucht. Von Ridley Scott konzeptuell inspiriert, übernahm Harding erstmals seit seinem Einstand wieder die Produktion, um sämtliche Ideen nach seinen Vorstellungen umzusetzen, experimentierte mit Sounds und Genres, und spielte den Großteil der Platte live mit Band im Studio ein. „Departures & Arrivals: Adventures Of Captain Curt“ ist ohne Frage sein bisher ambitioniertestes Werk.
Die wunderbar verklärte, gemächlich spazierende Romantik des eröffnenden „There She Goes“ legt dichte, feinsinnige Texturen, hypnotisierende Bassspuren, wunderbare Spielereien mit Strings und etwas Psychedelia offen. Und natürlich Hardings grandiose Stimme, die alles zusammenhält. Wie in „True Love Can’t Be Blind“, eine erstaunlich poppige bis euphorische Nummer, deren Melodie nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Oder im gemächlichen, smoothen „The Winter Soldier“, das sich in bester RnB-Manier treiben lässt, während die Rhythmusabteilung aus Understatement herrlich Mitreißendes zaubert.
Musikalische Vielfalt ist gewiss eine der größten Stärken dieses Albums, und „The Power“ spielt ganz vorne mit. Harding und Band zieht es hier in die Disco, bis obenhin voll mit Groove, mit Strings und mit geradezu schimmerndem Charme – mindestens so gut wie das lebensbejahende, kraftspendende „Time“, das gut und gerne als kleines Soul-Wunderwerk durchgehen darf und soll. Hardings Stimme tritt in den Vordergrund, motiviert und beflügelt, während Band und Backings den Support permanent hochhalten. Wenn abschließend „Running Outta Space“ im Hall verschwindet und traumwandlerisch durch das Nichts marschiert, ist alles eitel.
Ambitioniert, smooth und verdammt clever, so geht Curtis Harding mit dieser in vielerlei Hinsicht schwierigen Mission um und spielt sich samt Band mit wachsender Begeisterung frei. Diese Space Opera wird zum Showcase eines herausragenden Songwriters, der sich austobt, der etwas wagt, und dem der Erfolg, das Ergebnis recht gibt. „Departures & Arrivals: Adventures Of Captain Curt“ geht weit über vermeintlich klassischen Soul hinaus und etabliert sich binnen kürzester Zeit als großartiges ganzheitliches musikalisches Happening, in jeglicher Hinsicht imposant, voluminös und doch luftig, ernst und intensiv, doch voller Lebens- und Spielfreude. Vor allem aber demonstriert es einmal mehr, warum Curtis Harding zu den besten seiner Zunft zählt, aktuell mehr denn je.
Wertung: 4,5/5
Erhältlich ab: 05.09.2025
Erhältlich über: ANTI- Records (Indigo)
Website: curtisharding.com
Facebook: www.facebook.com/curtishardingofficial
