Lafote – Fin

Lafote

Genug gewartet: Bereits vor vier Jahren wurden Lafote zum musikalischen Hoffnungsträger auserkoren – übrigens gemeinsam mit den recht fleißigen Isolation Berlin. Abgesehen von einem Sampler-Beitrag zum Die Sterne-Tribute gab es aber herzlich wenig vom Hamburger Trio zu hören. Zeit ist somit relativ für die Band, und doch kommt ihr Debütalbum „Fin“ jetzt gerade recht. In elf Post-Punk-Kapiteln mit feinsinnigen Indie-Untertönen handeln sie das schnelllebige, viel zu hektische Jetzt und so manchen geifernden Mob ab.

Bands wie Karies und Die Nerven lassen in diesen 35 Minuten immer wieder grüßen. Jakob Groothoffs gleichermaßen abstrakte und doch konkrete Texte – ein herrlich paradoxes Zusammenspiel – treffen ins Schwarze, die Arrangements schaffen Unruhe. „Der Riss geht auch durch dich hindurch“ verrät bereits im Titel, dass es unangenehm wird. So möchte der Protagonist als Fremdkörper im Leben einer anderen Person agieren können, begleitet von angenehm unterkühlten und doch so schön hektischen, hibbeligen Gitarren. Kräftiges Schrammeln trifft auf eine ebenso nervöse wie leidenschaftliche Rhythmusabteilung – ein Eindruck, der sich auch durch den Rest der Platte zieht.

Überall scheint es zu brodeln und zu kochen, selbst in den vermeintlich ruhigen Momenten. Ein „Spaghettieis“ lebt von Atmosphäre und Minimalismus, nimmt beinahe balladeske Züge an und fordert doch volle Aufmerksamkeit. Deutlich scharfkantiger hingegen: „Nur der Zusammenbruch ist echt“ – was ist Schein, was ist Sein? In „Etwas fehlt“ erinnern Lafote an die Melodieführung jüngerer Killing Joke-Tracks, der unwahrscheinlich aufwühlende Opener „Alles liegt in Scherben“ entpuppt sich im besten Sinne als mehr Punk denn Post, und „Wir könnten sagen es ist gut so wie es ist“ wird immer länger und kratziger, ohne dabei zu langweilen.

Klar, es ist „schon wieder“ eine deutschsprachige Post-Punk-Band, die gibt es momentan wie Sand am Meer. Wen aber soll das stören, wenn Qualität und Leidenschaft stimmen? Lafote mögen sich ungewöhnlich viel Zeit für ihren Einstand gelassen haben, die mitreißende Präsentation, guten Texte und leicht finstere Spielfreude sprechen aber für sich. Zwischen raubeinigem Auftreten und unerwartet feinsinnigen Details ergibt sich ein kurzweiliges Debüt, auf das man gerne gewartet hat. Schon jetzt sind die erwähnten Contemporaries nicht allzu weit weg. Wo soll das bloß hinführen?

Lafote - Fin

Fin
VÖ: 16.11.2018
Misitunes (Broken Silence)

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