Themis – Self Mythology

Düster, treibend, energisch und gerne mal noisig: So präsentiert sich der Stuttgarter Musiker Themis und arbeitet ganz nebenbei daran, seinen Zwei-Jahres-Release-Rhythmus beizubehalten. Zuletzt befasste er sich nach eigenen Angaben mit einem genauen Blick auf sein Leben und sein Umfeld, suchte und fand Einklang mit der inneren Stimme, erzählt zudem Geschichten von Freunden sowie von Menschen und ihren gesellschaftlichen Konflikten und Erlebnissen. Die Rede ist von dunklen und bittersüßen Klängen, von mehr Punk und Queer-Attitüde. Rausgekommen ist unterm Strich „Self Mythology“, das Mythen rankt und kontextualisiert, begleitet von mehr musikalischer Vielfalt.
Die zeigt sich beispielsweise im donnernden, finsteren „Longing“, das nicht zum letzten Mal ganz kräftig mit Post Punk flirtet, einen Hauch Gaze mitnimmt und drastische, leicht noisige Gesten mitnimmt. Themis entlockt seinen Stimmbändern spannende, frische Töne, ringsum sorgen zittrige, beinahe melodische Ausritte für nervöse Spannung. 80s-Finster-Vibes und Früh-90s-Alternative finden prima zusammen. Hingegen schrammelt sich „My Spell On You“ vergnügt durch die Garage, turnt auf wilden Indie-Gerüsten umher und liefert einen kantigen, grantigen Ohrwurm der widerborstigen Sorte, unbequem und doch so harmonisch.
Letztlich wäre das die perfekte Überschrift für weite Teile dieses Albums, selbst das Finale: „Life Song“, eine akustische Nummer mit ordentlich Hall, in semi-balladesken Gefilden angesiedelt und doch alles andere als einfach, geschweige denn beschwingt. Wirkliche „Bad Vibes“ gibt es am anderen Ende dieser Platte, wunderbar stoisch und ominös vorgetragen. Gerade der Tieftöner darf hier wieder und wieder erzittern und brummen, wird zum grantigen Begleiter dieses letztlich doch gemäßigten Bollwerks. Es ist beileibe nicht der einzige willkommene Widerspruch – siehe und höre das vorwitzige, nahezu stimmungsvolle „You Never Cry“, dessen Indie-Ansatz Aufbruchstimmung suggeriert.
27 Minuten Sollbruchstellen machen Laune: Eigentlich ist Themis gerne mal missmutig, steht sich scheinbar selbst im Weg, doch passt gerade das letztlich ins Bild. Es ist eben keine schöne Welt ringsum, wo alles stets wunderbar und problemlos klappt, das zeigen auch die vorgetragenen Storys sowie der Blick nach innen. „Self Mythology“ sucht dennoch stets den Schritt nach vorne, den Quasi-Ausbruch, ohne dabei die entscheidene Selbstbestimmung zu vergessen. Viel Energie und Elan, dazu hörbare musikalische Weiterentwicklung mit unzähligen Ideen, Kniffen und Wendungen – klar, das braucht vielleicht den einen oder anderen Anlauf extra, macht aber richtig Laune. Themis liefert einmal mehr ab.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 01.08.2025
Erhältlich über: My Favourite Chords (Broken Silence)
Website: themismusic.de
Facebook: www.facebook.com/themismusik
