Trainer – Oh, Mandy!

Trainer
(c) Trainer

Bass, Bass, wir brauchen … mehr Gitarren. Trainer ringen mit einer ausgeprägten Tieftönerallergie und bringen diese in ihre Musik ein. Das Saarbrückener Quartett, bestehend aus aktuellen und ehemaligen Musikern so illustrer Formationen wie Steakknife, Chandler und Zesura, steht auf bissigen und experimentell veranlagten Noise Rock, der bevorzugt den eigenen Horizont ignoriert und mit kantigen, wüsten Eruptionen versieht. Ob Garagen-Riffs, (Post-)Hardcore, No Wave oder sogar ein wenig Alternative – hier wird mit wachsender Begeisterung dekonstruiert und anti-harmonisiert. Mit etwas Anlauf landet nun ihr zweites Album „Oh, Mandy!“, das für das Quartett ein neues Barry Mani-High darstellt.

Was hier genau passiert, lässt sich nicht so genau erklären, und hat in dieser Sprachlosigkeit absolut aussagekräftige Methode. Nach einem kurzen, ominösen Intro – Zwischenspiele sind das Salz in der Noise-Suppe – geht „New Economy Symptoms“ mit Math-artigen Gitarren und herrlichem Schrammel-Riffing nach vorne. Die Vocals stolpern durch das annähernd groovende Post-Dickicht, urplötzlich legt sich der imaginäre Schalter und klaut Frieda die Bomben – bizarr und bekömmlich zu gleichen Teilen. Das könnte zugleich die perfekte Überschrift für dieses zweite Album sein, siehe und höre Tracks wie das stoische, sture „Plattenbau“, das mit wachsender Begeisterung Betonklötze starrt und einreißt.

„I Would Have Said ‚Fuck You!'“ trägt den ausgeprägten Charme bereits im Titel und stürzt sich in abreißende Wellen beklemmender Finsternis. Jenseitiges Schrubben und beiläufig eingeworfene Vocals schleppen sich durch das nicht näher definierte Nirgendwo, der Mittelfinger darf nur langsam seine Antenne ausfahren. Die Störgeräusche nehmen zu, bis zur Zäsur, zum plötzlichen Versiegen, dem Quell des Neuaufbaus und Zusammenbruchs. Derlei epische Dimensionen erreicht der Quasi-Titelsong „Mandy“ vielleicht nicht, kann mit seiner quengeligen Art dennoch auf ganzer Linie überzeugen. Schwerfälliges Stampfen und konstante Störsignale halten bei Laune.

Man könnte zahlreiche weitere Beispiele dieser zauberhaft kauzigen Platte anführen, tut sich hier doch gefühlt andauernd was. Ein Überangebot an Ideen trägt „Oh, Mandy!“ von einer Eruption zur nächsten und umreißt Noise Rock zugleich so frei und vielschichtig wie menschenmöglich. Klar, für Trainer ist das schroffe, verschrobene, anstrengende Auftreten wichtig und wird mit exzessivem Wahnsinn ausgereizt. Der Ritt auf der eierlegenden Wollmilchsau bleibt jedoch bestenfalls die halbe Wahrheit eines aufregenden Zweitlings, der gerne mal rockt, der kathartische Wut liebt, der gerne im Dunkeln tappt und den Lichtschalter sabotiert. Das Ergebnis fällt im besten Sinne unangenehm aus und zieht damit in einen nicht näher benannten süßlichen Bann. Trainer melden sich lautstark und herrlich mächtig zurück.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 08.08.2025
Erhältlich über: Fidel Bastro (Broken Silence)

Website: www.trainer-noise.de
Facebook: www.facebook.com/TRAINERNOISE