The Dirty Nil – The Lash

Seit Jahren sind The Dirty Nil eine sichere Bank für dreckig-hymnischen Rock mit mächtig Energie, Punk-Esprit und gezieltem Blick über den Tellerrand. Aktuell ist das Kern-Duo Luke Bentham (Gesang, Gitarre) und Kyle Fisher (Drums) wieder als solches unterwegs, sprengt die Power-Trio-Formation zum ersten Mal seit den Anfangsjahren, kurz vor dem 20jährigen Jubiläum der Kanadier. Und doch scheint ihnen dieser Fokus auf das personell Wesentliche gut zu bekommen. Binnen zwei Wochen aufgenommen, bringt „The Lash“ einmal mehr sämtliche Qualitäten der Herren aus dem Norden höchst gekonnt auf den Punkt.
Und die überraschen mit … 80s-Gitarren? „Fail In Time“ stampft durch lässiges Midtempo, käsige Leads und Melodien ohne Ende, gepaart mit Selbstironie. Das würde man eher von The Darkness erwarten, passt aber auch prima zu den Kanadiern – ohne Kopfstimme, dafür mit gemächlichem Drive und maximaler Ohrwurmgarantie. Noch eine Überraschung gefällig? „This Is Me Warning Ya“ befasst sich mit Depressionen, reduziert die Instrumentierung auf ein Minimum und holt sich Streicher hinzu – balladesk angehaucht und unerwartet bewegend, zugleich ein Zeichen für den Reifeprozess der beiden Veteranen.
Ruhig bleibt es selbstverständlich nicht, denn bereits im anschließenden „Do You Want Me?“ nehmen The Dirty Nil wieder Kurs in Richtung Punk-Wellenbrecher, mit Power-Pop-Eingängigkeit verbunden und in seiner Kürze verdammt gut. Die bleiernen Untertöne von „I Was A Henchman“ würde man eher in metallischen Gefilden vermuten, passen aber prima zum hymnischen Spiel mit Laut-Leise-Dynamik. Schlussendlich ist und bleibt man eine „Rock N‘ Roll Band“, lässt sich erstaunlich entspannt nach vorne peitschen und kramt den nächsten Mini-Hair-Metal-Einschub hervor, der unerwartet viel Spaß macht. Und auch „Gallop Of The Hounds“, der erst ruppige, dann feinsinnige Opener, geht nicht mehr aus dem Ohr.
Auch diese kleine, aber verdammt feine Häutung steht The Dirty Nil richtig gut zu Gesicht. Insgesamt noch einen Tacken melodischer und doch mit unerwartet scharfen, unbequemen Kanten versehen, bringt „The Lash“ die Qualitäten des Duos im besten Sinne auf den Punkt. Die Energie stimmt nach wie vor, es muss jedoch nicht immer Höchstgeschwindigkeit sein – eine Erkenntnis, die Bentham und Fisher bestens bekommt. The Dirty Nil klingen noch größer und massiver, lassen zugleich das Herz des Underground lauter denn je schlagen und legen ganz nebenbei ihre ruhigsten, eingängigsten Nummern vor. Passt das zusammen? Und wie – ein weiterer Beweis für die Qualitäten der Kanadier.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 25.07.2025
Erhältlich über: Dine Alone Records (Membran)
Website: www.thedirtynil.com
Facebook: www.facebook.com/thedirtynil
