Automatic – Is It Now?

Erst sorgten sie mit ihrem Motorik-Pop für Bewegung, nun soll Deviant-Pop dem Brainrot im Hier und Jetzt entgegenwirken: Automatic mögen es gerne ungewöhnlich und doch eingängig, das zeigten sie zuletzt vor gut drei Jahren auf „Excess“. In der Zwischenzeit haben sie ihren synthetischen Ansatz noch weiter auf ein absolutes Minimum heruntergebrochen, zynisch und schwarzhumorig, betont respektlos. „Is It Now?“ will Unterdrückungsstrukturen durch neue Dringlichkeit aufbrechen und ruft zu einer Art kleinen Revolution gegen Konsum und zerstörerische Strukturen auf, begleitet von minimalistischer Eingängigkeit.
Der mittendrin platzierte Titelsong wechselt schnell in den Laufschritt und sucht nach einem großen Moment, der jedoch zumindest vorerst ausbleibt. Und so rennt das Trio weiter und weiter, während die kompakten Grooves und fast gespentischen Synthis mit den locker aus dem Ärmel geschüttelten Vocals um die Wette … wettern. Im Vergleich dazu gibt sich „mq9“ forsch und getrieben, steuert sofort der Tanzfläche entgegen und führt in eine Art technoide Trance. Die unnachgiebige Bassline und ungewöhnlichen Flötentöne lassen den Track in Richtung Disco tänzeln, während jegliche Ansätze einer Melodie kunstvoll gegen die Wand gefahren werden.
Am „Terminal“ wird es plötzlich hektisch und Automatic so laut wie selten. Das Gewirr an Stimmen und der fast endlose rhythmische Loop, der ein wenig Richtung D’n’B schielt, raubt sämtliche Nerven und macht damit alles richtig. Hingegen nimmt „Mercury“ jegliche Form von Tempo heraus und knüpft einmal mehr an die Anfänge tanzbar-technoider Popmusik an. Ein dröhnender Bass und ganz viel Nervenstärke sind die Zutaten für eine Tour de Force. „Don’t Wanna Dance“? Pech gehabt, denn die US-Band führt rauschartige Bewegungszustände herbei. Wenngleich besagter Song eher einer Trance gleicht und endlos blubbert.
Betont schroff und abweisend, doch stets urgewaltig und begeisternd: Was Automatic hier abziehen, spottet jeder Beschreibung, und das ist verdammt noch mal gut so. „Is It Now?“ drosselt sämtliche Maschinen noch eine weitere Stufe, was kaum für möglich geglaubt war, und will herausfinden, wie wesentlich das Wesentliche wirklich ist. Klingt verwirrend? Willkommen in der Welt des US-Trios! Und doch brennen sich die Tracks nach und nach ein, mit ihren unwiderstehlichen Grooves und dieser ureigenen Präsentation, die keinen Sinn machen soll, jedoch so perfekt passt. Automatic verbreiten weiterhin beste Laune und rütteln auf – eine aufregende, wundervoll kuriose Kombination.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 26.09.2025
Erhältlich über: Stones Throw Records / VMG / [INTEGRAL]
Website: automatic.band
Facebook: www.facebook.com/automaticbandla
