Robert Plant – Saving Grace

Robert Plant
(c) Tom Oldham

Eine musikalische Reise mit Robert Plant ist immer ein Grund zur Freude. Von seinen großen Hard-Rock-Stadion-Tagen ist er inzwischen weit entfernt, erforscht mit seinen Alben und wechselnden Begleitungen sämtliche Ecken des Erdballs und findet doch immer wieder zurück zu seiner alten Liebe für Blues, Folk, Country und Gospel. Exakt das sind die Eckpfeiler für das neueste Werk seiner Band Saving Grace, mit der er inzwischen seit sechs Jahren zusammenspielt, die er in seiner walisischen Heimat fand. Gemeinsam widmet man sich einer Serie an Cover-Versionen, unter dem Titel „Saving Grace“, das Plant und die fantastische Sängerin Suzi Dian nebeneinanderstellt.

Besonders stark gestaltet sich das bei der Bearbeitung alter Traditionals, darunter das ellenlange „As I Roved Out“, das Nonesuch-Labelkollege Sam Amidon von einem Folk-Klassiker in eine herrlich nachdenkliche Nummer verwandelte. Durchaus psychedelische Noten begleiten die schwebenden Strophen, während Plant und Dian zusammen richtig gut klingen. Ersterer schreibt dies seiner Arbeit mit Alison Krauss zu, die ihm beibrachte, Harmonien zu singen. In dieser endlosen, verträumten, ja geradezu schwebenden Nummer geht das ebenso auf wie im reduzierten Traditional „I Never Will Marry“, zittrig und intensiv.

Zu den emotionalen wie auch musikalischen Höhepunkten zählt „Everybody’s Song“, ein weiteres Low-Cover. Auch wenn die Qualitäten eines „Monkey“ nicht erreicht werden, ist diese nervöse und zugleich ausdrucksstarke Interpretation von Slowcore in ihrer kraftvollen, fordernden Direktheit ein magischer Moment. „Chevrolet“ am anderen Ende des Albums schrammelt und tänzelt durch feine Folk-Untiefen und findet so etwas wie frohlockende Beklemmung, zwischen imaginären Stühlen gefangen und doch so frei. Im Gospel-Klassiker „Soul Of A Man“ finden Plant, Dian und Saving Grace die Essenz von Blind Willie Johnson und brechen sie auf ein schroffes wie mächtiges instrumentales Minimum herunter.

Und so lässt die Band bevorzugt die Songs, die Stimmungen für sich sprechen. In dieser für Robert Plant mittlerweile durchaus typischen Zeitreise geht es um die elementaren Eckpfeiler seiner Anfänge vor Led Zeppelin sowie der jüngeren Solo- und Bandwerke: Folk, Country, Blues, Gospel, etwas World Music und ganz viel Fokus auf das Wesentliche. Das mag sich zu einem gewissen Teil vorhersehbar lesen, klar, ist und bleibt jedoch unfassbar aufregend. „Saving Grace“, diese nach seiner exzellenten Band benannten Platte, reiht intimes Highlight an Highlight, geht behutsam mit den Vorlagen um, holt sie in ein neues und doch vertrautes Umfeld, und klingt dabei durch und durch nach Plant, der mit stolzen 77 Lenzen ein weiteres Mal ein bewegendes Ausrufezeichen setzt.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 26.09.2025
Erhältlich über: Nonesuch Records (Warner Music)

Website: www.robertplant.com
Facebook: www.facebook.com/robertplant