shame – Cutthroat

shame
(c) Jamie Wdziekonski

Große Themen, große Fragen, wenige Antworten: shame wollen sich mit den großen Themen der Zeit befassen, politischer und gesellschaftlicher Natur, und nehmen dafür kein Blatt vor den Mund. Nach drei starken Alben ging es dem britischen Quintett zudem darum, einerseits die rohe Direktheit ihrer Live-Shows einzufangen und andererseits neue Ufer anzusteuern. In Produzent John Congleton (St. Vincent, Angel Olsen) wurde ein kongenialer Partner gefunden, der ebenso für Unmittelbarkeit steht und den zynisch veranlagten Humor der Band aus South London förderte. „Cutthroat“ ist eine vielschichte No-Bullshit-Platte mit der einen oder anderen Überraschung geworden.

Mit dem eröffnenden Titelsong „Cutthroat“ stellen shame sogleich sämtliche Zeichen auf Sturm. Die erfrischend direkten Lyrics langen beherzt zu, während der vertraute, gerne mal schrammelnde Post Punk in Richtung Indie-Dancefloor gezerrt wird – nervös, übertrieben, im richtigen Moment sogar funky wie sonst etwas. Ein „Quiet Life“ führen die Briten vielleicht, wobei das mit Rockabilly flirtende Leitmotiv im besten Sinne aus dem Rahmen fällt. Das gilt auch für „Lampião“, tatsächlich stellenweise auf Portugiesisch vorgetragen und sich dem gleichnamigen brasilianischen Banditen widmend, der auch fast 90 Jahre nach seinem Tod die Lager weiterhin spaltet. Held oder Schurke? Das bleibt in diesem lässigen Stück Musik offen.

Wer wirklich böse ist, sollte auf der Hand legen. Wobei, kann man das heutzutage tatsächlich so genau sagen, wenn die Bubble gerade unbarmherzig zuschlägt? Insofern wird die „Axis Of Evil“ von manch einem Mysterium torpediert. Der deutlich elektronischere Ansatz, der schon mal ein wenig LCD Soundsystem einbringt, ebenso die synthetisch-düstere Smoothness von Depeche Mode – das passt alles ins Bild. In der „After Party“ steigt die Nervosität und bekommt abgeschmackte Pop-Harmonien im Refrain draufgeklatscht. Dieser Spagat geht ebenso auf wie das forsche „Cowards Around“ mit seinen überdimensionalen, geshuffelten Idles-Gitarrenwänden und der deutlichen Ansage. Da kommt das subtil bissige, mit Country-Klängen flirtende „Spartak“ gerade recht.

Einfach mal lauter, drastischer und zugleich durchdachter machen, schon passt das. shame denken ihren Sound und ihre Position als mittlerweile erfahrene Band hörbar weiter, brechen den ohnehin bevorzugt locker zusammengehaltenen Post Punk erneut auf und gehen mit frischem Wind einfach mal so richtig dem willkommenen Wahnsinn entgegen. „Cutthroat“ macht natürlich keinen Hehl aus seinen Wurzeln, bleibt nervös und gerne mal überdreht, lässt seinen vertrauten Humor zu, und wagt doch deutlich mehr. Indie-Dance, unverblümt formulierte Kritik – am politischen Status Quo, aber auch an rigiden sozialen Strukturen – und allerlei vorwitzige Ideen aus dem weiten Americana-Umfeld bekommen dem inzwischen vierten Album richtig gut. Besser denn je sogar.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 05.09.2025
Erhältlich über: Dead Oceans (Cargo Records)

Website: www.shame.world
Facebook: www.facebook.com/shamebanduk