Wednesday – Bleeds

Eine gewisse Unvorhersehbarkeit begleitet Wednesday seit ihrem ersten, Anfang 2018 erschienenen Album. Wohin die Reise geht, ist nie so ganz eindeutig, aber immer hochgradig spannend. Zuletzt ließ das US-Quintett auf „Rat Saw God“ vermehrt Alternative, Gaze und sogar ein bisschen Noise in den Vordergrund rücken. Davon verabschiedet man sich nur bedingt, holt aber wieder vertraute Country-, Americana- und Slacker-Ansätze hinzu. „Bleeds“ entstand unter besonderen Vorzeichen: Bereits vor den ersten Sessions hatten sich Sängerin/Gitarristin Karly Hartzman und Gitarrist MJ Lenderman nach sechs gemeinsamen Jahren getrennt. Das verschwiegen sie der Band jedoch bis zum Ende der Aufnahmen, um die gemeinsame Chemie nicht zu stören.
Freundschaftlich und musikalisch klappt es auch ohne den romantischen Part. Ein Breakup-Album ist es so und so nicht geworden, wenngleich Tracks wie das kurze, minimalistische „The Way Love Goes“ neue Bedeutung gewinnen. Lässt sich auch „Wound Up Here (By Holdin On)“ entsprechend darauf umlegen? Thematischer Spielraum bietet sich nun natürlich in Hülle und Fülle, wenngleich das wohl keine Absicht gewesen sein muss. Der herrlich schroffe, etwas abweisende und doch im richtigen Moment harmoniebedürftige Track passt prima ins Bild, packt Alternative- und Noise-Gitarrenwände ebenso aus wie zarte Country-Rock-Untertöne für einen gleichermaßen bizarren, intensiven und begeisternden Track.
Dieses stete Spiel mit Erwartungen und Schubladen gelingt Wednesday einmal mehr prima. Ihr „Bitter Everyday“ wirkt forsch und grantig, scheint über einen imaginären Abhang zu purzeln, fängt sich kurz, überrascht mit falschem Selbstbewusstsein und setzt schließlich die Abwärtsspirale fort. „Reality TV Argument Bleeds“ zeigt zudem das mittlerweile vertraute Herz für Grunge, das auch in diesen drei Minuten nicht unterzukriegen ist. Hingegen fasziniert „Candy Breath“ mit vorsichtigem Understatement, das letztlich doch in Chaos umschlägt, während „Townies“ herrlichen Americana-Charme einbringt und „Elderberry Wine“ schließlich komplett in Country-Gefilde eintaucht.
Der Interpretationsspielraum ist groß, wie auch die Musik. Natürlich hinterlassen die begleitenden privaten Umstände gewissermaßen ihre Spuren, das lässt sich kaum vermeiden, doch ist dieses Album letztlich Wednesday durch und durch, in guten und in besseren Zeiten. „Bleeds“ nimmt die Grundidee des Vorgängers auf und erweitert diese mit wachsender Begeisterung. Neue Klangfarben und Nuancen gehen ins Ohr, bringen das Seelenleben durcheinander und verteilen im richtigen Moment beherzte Arschtritte der kratzbürstigen, zugleich harmonischen Sorte. Wednesday gehen ihren Weg in gewohnt mächtiger Form weiter.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 19.09.2025
Erhältlich über: Dead Oceans (Cargo Records)
Website: www.wednesday.band
Facebook: www.facebook.com/WednesdayTheBand
