Bright Eyes – Kids Table

Bright Eyes
(c) Dead Oceans

Wenn es läuft, dann so richtig: „Five Dice, All Threes“ bannte alle Stärken der Bright Eyes auf eine Platte, so kauzig und harmoniebedürftig wie eh und je, begleitet von spannenden Gästen und nicht minder interessanten Ideen. Wenig überraschend haben Conor Oberst, Mike Mogis und Nate Walcott Nachschub im Gepäck. Von Anfang an sollte jenes Material, das nicht 100%ig zum Fluss des Albums passte, zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden. Begleitet von einigen weiteren Tracks, überrascht „Kids Table“ mit spannenden bis ungewöhnlichen Ansätzen, die sowohl die aktuelle Platte erweitern als auch komplett für sich selbst stehen können sollten.

Ska kommt selbst für Bright Eyes unerwartet: „1st World Blues“ tritt vielleicht nicht die x-te Welle des Genres los, tänzelt sich dabei durch eine Art Doomscrolling-Happening im echten Leben. Chaos, Hass und Untergang ziehen vorüber, begleitet von einem trügerischen Resümee. „Shakespeare In A Nutshell“ geht hingegen in eine komplett konträre Richtung und wirkt wie ein Missing Link zwischen „I’m Wide Awake…“ und „Digital Ash…“ – folkig, reduziert und bedeutungsschwanger, aber auch glitchy im richtigen Moment. Die sehr aufrichtig dargebotenen Zeilen kollidieren mit Entfremdung, während wilde Assoziationen das schüttere Haupthaar torpedieren.

Hurray For The Riff Raff begleitete Bright Eyes mehrmals auf Tour, die gemeinsame Live-Version von „Lua“ ging vor einiger Zeit viral. Auf der neuen EP gibt es gleich zwei Kollaborationen, darunter der Titelsong „Kids Table“, hoffnungsvoll und folkig. Die Unbeschwertheit am Kindertisch, dem man einst entkommen wollte, wird als Rettungsanker bemüht. Szenenwechsel: Als Oberst im vergangenen Jahr an schweren Stimmproblemen litt, gab es einen Song, den er nach seiner Genesung unbedingt singen wollte: „Sharp Cutting Wings (Song For A Poet)“ von Lucinda Williams. Das Zittrige seiner ersten Alben, begleitet von einer ähnlich verwaschenen Gitarre, holt sympathische Ursprünglichkeit zurück. Leslie Stevens sorgt für die nicht minder begeisternde Zweitstimme.

Binnen nicht ganz einer halben Stunde setzt es Bright Eyes in Reinkultur, aber auch nicht. Das mag widersprüchlich klingen und macht gerade deswegen Sinn. Vor allem erweitert die neue EP das aktuelle Überalbum gekonnt und sprengt zugleich dessen Grenzen. Ska hier, Folk-Glitch da, feine Indie-Songs, Pop-Momente und eine Cover-Version, die zurück zu Obersts musikalischen Wurzeln als Solokünstler geht, legen die Essenz der Band offen, wieder und wieder. Die „Kids Table“ ist gerne etwas messy, aber stets aufregend, vergnüglich, durch das Auge der Zukunft wehmütig betrachtet, einfach nur schön.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 26.09.2025
Erhältlich über: Dead Oceans (Cargo Records)

Website: www.thisisbrighteyes.com
Facebook: www.facebook.com/BrightEyes