Joyce Manor – I Used To Go To This Bar

Als es nach mehrjähriger Pause endlich wieder auf Tour ging, waren Joyce Manor sofort in ihrem Element. Mit „40 oz. To Fresno“ im Gepäck, ging es in noch größere Venues sowie unter anderem in den Support für Weezer. Die Arbeiten an einem Nachfolger begannen bereits Anfang 2023, sollten sich jedoch ziehen. Gleich mit dem ersten fertigen Demo konnten sie jedoch kein Geringeren als Bad Religion-Legende Brett Gurewitz – ihren Label-Boss – als Produzenten verpflichten. Für das Trio aus Kalifornien erfüllte sich damit ein Traum. Und das hört man dem neuen Longplayer „I Used To Go To This Bar“ selbstverständlich ab der ersten Sekunde an.
Freilich darf über die Definition ‚Longplayer‘ wieder diskutiert werden, schafft es auch diese Platte nicht über die 20-Minuten-Marke. Dafür setzt es neun mächtige Tracks ohne auch nur den Hauch von Füllmaterial. Die Zusammenarbeit mit Gurewitz kam übrigens durch eine frühe Version von „All My Friends Are So Depressed“ zusammen, und die fällt auf angenehme Weise aus dem Rahmen. Eine spannende Nähe zu The Smiths ringt mit obligatorischer Schwere und feinen Hooks, breitet eine gewisse Melancholie aus und lässt die Sonne vorsichtig durchscheinen. Das ist mindestens so gut wie „Grey Guitar“, der etwas gemächlichere Rausschmeißer, der die Muskeln spielen lässt und mit seiner unwiderstehlichen Lead-Gitarre sofort ins Ohr geht.
Überhaupt ist das hier ein weiterer kleiner Siegeszug geworden, siehe und höre „Well, Whatever It Was“ mit seinem durchgehenden Lächeln und einer Überdosis Power-Pop. Hingegen bewegt sich „I Know Where Mark Chen Lives“ wieder in Richtung Punk, eingängig und kantig zugleich. „Well, Don’t It Seem Like You’ve Been Here Before?“ vermischt das mit Emo-Gitarren und leicht wunderlichen Beobachtungen. Viel zu früh ist hier Schluss. Im poppig-punkigen „I Used To Go To This Bar“ nimmt das Trio Tempo auf und paart das mit einem echten Ohrwurm. Der Titelsong serviert Joyce Manor in Reinkultur, im besten Sinn.
All killer, no filler – dieses einfache, bestens vertraute und doch lange nicht selbstverständliche Motto trifft auch auf den neuesten Streich von Joyce Manor zu. In neun gewohnt kurzen, direkten Kapiteln werden alle Qualitäten auf den Punkt gebracht, mit sympathischem Smiths-Exkurs, viel Sonne, einem Surf-Hauch zwischendurch sowie Pop, Punk und Rock in Hülle und Fülle. „I Used To Go To This Bar“ zeigt das kalifornische Trio zudem einmal mehr als richtig gute Songwriter, die sich zwar viel Zeit für übersichtlichen Output lassen, damit jedoch ein weiteres Mal abräumen. Was ein kleines Festmahl.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)
Website: joyce-manor.com
Facebook: www.facebook.com/joycemanorband
