The Blue Van – Recording Club Of 1996

The Blue Van
(c) Nordic Music Society

Seit bald drei Jahrzehnten sind sie der Inbegriff von Beständigkeit: Hinter The Blue Van stecken vier Freunde, die sich seit ihrer Kindheit kennen und gemeinsam Musik machen. Ihre Songs liefen in Werbespots, Fernsehserien und Videospielen, sie tourten durch die ganze Welt und verstanden es zuletzt auch, etwas kleinere Brötchen zu backen. „Recording Club Of 1996“, eine Reminiszenz an die Anfangstage, ist das erste Album seit fünf Jahren und verbindet Kommentare zum Hier und Jetzt mit intimen, persönlichen Geschichten und einem noch breiter gesteckten Sound, der mehr denn je ins Ohr geht.

Aufgenommen im legendären Farvemøllen-Studio in Kopenhagen, das zu Jahresbeginn nach 55 Jahren geschlossen wurde, findet noch eine Prise mehr Pop Einzug in den Sound des Quartetts, und zwar auf sympathische Weise. Wie in „Real Gone“ mit seinem zurückgenommenen und doch treibenden Arrangement sowie überaus lebhaften Gesangsharmonien – fast Easy Listening und zugleich mit viel Herz, mit kleineren Ecken und Kanten ausgestattet. Die hat auch „KYLO“, eine sympathische Hymne auf Liebe und Freiheit, für sich gepachtet, wenngleich das vielleicht erst beim zweiten oder dritten Durchlauf auffällt. Dass hier stellenweise sogar frühe MGMT mitfunkeln dürfen, passt ins Bild.

Und doch käme den Dänen gar nicht erst in den Sinn, plötzlich Glam Pop zu spielen. „Dial Up My Supplier“ serviert beispielsweise Indie Rock der ganz feinen Sorte, mit sommerlicher Lässigkeit und einem Überangebot an Melodien. Der Opener „Some Boys“ haut eine süßliche Hook nach der nächsten raus, geht dabei sauber nach vorne und bietet zugleich toxischer Männlichkeit die Stirn. Am anderen Ende bemüht „Beautiful Human“ Diversität und das Gemeinsame, überaus sympathisch präsentiert. Aus den Untiefen arbeitet sich „Out Of My Head“ nach vorne, etwas kantiger, fast schon schwerfällig, nur um mit einem Fast-Fratellis-Chorus durch die Decke zu gehen.

Das Ergebnis klingt insgesamt eine Spur radiofreundlicher, melodischer und harmoniebedürftiger, lässt letzte Garagen-Reste weitestgehend hinter sich. Letztlich steht exakt das The Blue Van aber gar fantastisch zu Gesicht, weil diese ureigene Indie-Vision für beste Laune sorgt, für ein fettes Lächeln und für richtig gute Songs. „Recording Club Of 1996“ lebt zu einem gewissen Teil von Nostalgie, keine Frage, ist zugleich vor allem textlich im Hier und Jetzt unterwegs. Zudem schimmert die Freundschaft der vier Musiker wieder und wieder durch. Hier spielen Leute, die sich seit Jahrzehnten richtig gut leiden können, einmal mehr etwas anders und doch so sympathisch. Mehr braucht es nicht zum großen Glück.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: Nordic Music Society

Website: www.thebluevan.com
Facebook: www.facebook.com/thebluevan