YIN YIN – Yatta!

Die kleinen und großen, gerne cineastisch angehauchten Weltreisenden YIN YIN melden sich zurück, fast auf den Tag genau zwei Jahre nach „Mount Matsu“. Auf dem Weg quer über globale Tanzflächen tankt sich der instrumentale Sound des niederländischen Quartetts durch fantasievolle Jams von Nord nach Süd, Ost nach West. Einmal mehr dominierten östliche Stimmungen, auch der Titel ihres neuen Albums kommt eigentlich aus dem Japanischen. „Yatta!“ heißt so viel wie „Wir haben es geschafft!“, und erreicht haben YIN YIN mit dieser Platte richtig viel.
Im eröffnenden „In Search Of Yan“ erklärt ein Sample des Philosophen Alan Watts, dass jedes Yin sein Yang braucht, und umgekehrt. Witzige Disco-Klänge mit funkigen Gitarren und Psychedelia treten sogleich die Reise an, gehen ebenso ins Ohr wie in die Beine – eine atemlos Tour de Force mit unheimlich viel Herz, auf die fernöstlicher Surf folgt. So oder so ähnlich lässt sich „Spirit Adapter“ beschreiben, das verschiedene im weiten asiatischen Raum verortete Klänge mit Surf Rock und dezent eingesetzten, vorwitzigen Vocals versieht. „Lecker Song“ rundet das mächtige Eröffnungstrio ab, bringt etwas mehr Schwere ein und lässt luftige Drums erstaunlich aufbrausen.
Am anderen Ende des Albums stolpert „Pattaya Wrangler“ durch unwirkliche Klangwelten, verträumt und leicht entfremdet, von verwaschenem Hall umgeben. Einzelne Reste greift „Golden Lion“ auf und spannt all das rund um ein basslastiges, tanzbares Fundament mit herrlicher Deepness. Dieser beherzte Kontrast zu Folk und Psychedelia kommt ebenso gut wie die schiere Wucht von „Slow Burner“, eigentlich zurückgelehnt und doch erstaunlich massiv. Derlei Gegensätze bekommen YIN YIN bestens, siehe und höre das flotte, atemlose „Yata Yata“, das nur kurz Luft holt und ein hibbeliges, erneut Tanzflächen-taugliches Feuerwerk abbrennt.
Niemand klingt wie YIN YIN, die einmal mehr einfach machen, frei aus dem Bauch heraus und doch mit bärenstarkem Songwriting. Was hier an Herzblut, an Klangarchitektur und an Einflüssen verarbeitet wurde, weiß ab der ersten Sekunde zu beeindrucken. Einmal mehr vor allem asiatisch geprägt und mit vielen japanischen Ideen versehen, sucht und findet „Yatta!“ seine Inspiration überall und nirgendwo, locker tänzelnd, fokussiert verspielt und auf sympathische Weise unwirklich. Es bleibt eine Herausforderung, den Sound der Niederländer auch nur halbwegs zu umschreiben, doch ist das Hörerlebnis erneut ein Hochgenuss – faszinierend, immersiv, magisch und lebensbejahend.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 23.01.2026
Erhältlich über: Glitterbeat Records (Indigo)
Website: yinyinternet.com
Facebook: www.facebook.com/yinyinband
